"Klima des Misstrauens" Redakteurinnen der Vatikan-Zeitung kündigen

Sie hatten den Missbrauch an Nonnen durch Geistliche öffentlich gemacht - daraufhin sahen sich die Redakteurinnen von "Donne Chiesa Mondo" zunehmend vom Vatikan diskreditiert. Nun traten sie geschlossen zurück.

Chefredakteurin Lucetta Scaraffia
Domenico Stinellis/ AP

Chefredakteurin Lucetta Scaraffia


"Wir werfen das Handtuch, weil wir uns von einem Klima des Misstrauens und Entmachtung umgeben fühlen", schreibt die Chefredakteurin von "Donne Chiesa Mondo" (deutsch: "Frauen Kirche Welt"), Lucetta Scaraffia, in einem offenen Brief an Papst Franziskus, der der Nachrichtenagentur AP vorliegt. Scaraffia hatte die monatliche Beilage der Vatikan-Zeitung "L'Osservatore" 2012 gegründet. Gemeinsam mit der komplett weiblichen Redaktion kündigte sie nun ihren Job.

Als Begründung gab Scaraffia an, dass sich die Journalistinnen einer Kampagne des Vatikans ausgesetzt sehen, mit der man sie habe diskreditieren und unter die direkte Kontrolle von Männern habe stellen wollen. Damit habe man ihre Arbeit unglaubwürdig gemacht und als Teil der öffentlichen Kommunikation des Heiligen Stuhls delegitimiert. Die Schikane habe zugenommen, nachdem das Frauenmagazin über den Missbrauch an Nonnen durch Geistliche berichtet hatten.

Den Verantwortlichen von der Vatikan-Zeitung "L'Osservatore" warf Scaraffia vor, zu alten, klerikalen Machtstrukturen zurückzukehren und die von Papst Franziskus proklamierte Redefreiheit abschaffen zu wollen.

Scaraffia hatte im Februar für Aufsehen gesorgt, als sie den sexuellen Missbrauch an Nonnen in der Kirche angeprangert hatte. Daraufhin hatte Papst Franziskus den sexuellen Missbrauch an Nonnen in der katholischen Kirche erstmals eingeräumt. Wie es nun mit dem Magazin weitergeht, ist unklar. Der Vatikan äußerte sich zu den Vorgängen zunächst nicht.

brs/AP



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