Verner Panton Gebaute Science Fiction

Das Vitra Design Museum in Weil am Rhein feiert mit einer Retrospektive den dänischen Design-Star Verner Panton. Ein Gespräch mit der Witwe des 1998 verstorbenen Designers, Marianne Panton, über das Revival der Swinging Sixties, bequeme Farben und die Gestaltung der SPIEGEL-Kantine.


Rollensessel (1963)
Panton Design

Rollensessel (1963)

Der dänische Designer Verner Panton lieferte das Mobiliar zu den Swinging Sixties. Schaumstoffmöbel, grelle Farben, extravagante Formen zeichnen seine Entwürfe aus. Der Panton-Chair, der erste Plastik-Freischwinger aus einem Guss, die Flowerpot-Lampe und die Drahttüten-Sessel sind inzwischen Kult-Gegenstände. Die SPIEGEL-Kantine (1969) ist das einzige erhaltene Raumensemble. Die Retrospektive im Vitra Design Museum in Weil am Rhein zeigt Möbel, Leuchten, Textilien und Architekturentwürfe.

SPIEGEL ONLINE. Wer hat Ihr Haus designt? Sie oder Ihr Mann?

Panton: Mein Mann natürlich. In unserem damaligen Haus, das auch oft fotografiert wurde, hatte er seine Prototypen. Das Arbeitszimmer, das Wohnzimmer, das Esszimmer, die zeigte er seinen Kunden. Das Private war natürlich etwas Anderes. Die Kinder und ich durften unsere Räume gestalten, wie wir wollten.

Panton Chair (1967)
Panton Design

Panton Chair (1967)

SPIEGEL ONLINE. Gibt es ein Stück von ihm, was Sie noch nie leiden konnten?

Panton: Nein. Ich war ein großer Fan von meinem Mann. Jetzt wohne ich in einer kleinen Wohnung in Basel, und die ist voll mit Panton-Möbeln. Alles. Nur die Wände sind noch weiß, dafür hatte ich bisher keine Zeit. Die Möbel sind fast alle blau, denn das ist meine Lieblingsfarbe.

SPIEGEL ONLINE. Nun gibt es die erste große Retrospektive Ihres Mannes. Spüren Sie, dass es jetzt wieder mehr Interesse an Panton gibt?

Panton: Ja, absolut. Es hat schon angefangen, bevor mein Mann gestorben ist. Das ist dieses Sechziger-Jahre-Revival. Nach einer Ausstellung vor zwei Jahren in Dänemark gab es ein riesiges Interesse an seiner Arbeit. Die Ausstellung haben sie dann im Designmuseum in London aufgebaut. Auch die Möbel sind wieder stark gefragt. Der Tütenstuhl und der Wohnturm sind jetzt wieder in Produktion.

Verner Panton
Panton Design

Verner Panton

SPIEGEL ONLINE. Wie erklären Sie sich dieses Revival?

Panton: Die Sechziger sind eine der interessantesten Perioden des letzten Jahrhunderts, weil so viel experimentiert wurde. In den Fünfzigern war alles so schrecklich langweilig und grau. Es gab ein Bedürfnis nach Farben und neuen Sachen. Das musste kommen. Jetzt gab es viele Jahre, die sehr cool waren. Vielleicht ist das Bedürfnis zurückgekehrt. Farben sind einfach wunderschön.

SPIEGEL ONLINE. Was dachte Ihr Mann über die SPIEGEL-Kantine?

Panton: Die Arbeit für den SPIEGEL war eines seiner schönsten Erlebnisse. Er konnte ja hier viele seiner Ideen umsetzen. Augstein und alle diese Leute beim SPIEGEL waren sehr offen. Das war ja schon sehr gewagt. Er hat sich riesig gefreut, als die Kantine vor zwei Jahren renoviert wurde.

SPIEGEL-Kantine (1969)
Panton Design

SPIEGEL-Kantine (1969)

SPIEGEL ONLINE. Hatten Sie eigentlich viele Gespräche über die Farbe Rot?

Panton: Also, Rot war nicht die Lieblingsfarbe meines Mannes. Rot hat er sehr gerne verwendet, weil es so eine warme herrliche Farbe war, aber Blau hat er auch wahnsinnig gerne gehabt. Er hat eigentlich alle Farben gemocht, bis auf Weiß. Weiß ist ja eigentlich keine Farbe. Er hat immer gesagt: Man sitzt bequemer auf einer Farbe, die man mag.

Ausstellung "Verner Panton": Vitra Design Museum, Weil am Rhein, 05. Februar bis 12. Juni, Tel. 07621/702 32 00

Das Interview führte Carsten Volkery



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