Verstehen Sie Haas? Eva, alles wird gut!

Der Feminismus, schreibt die ARD-Moderatorin Eva Herman in "Cicero", hat die Frauen, die Männer, die Familien, die ganze Nation fertiggemacht. Was sagt der XY-Chromosomenträger dazu? Mokkanäschen, komm heim!

Von Daniel Haas


Eva, es wird alles gut. Deine Message ist angekommen. Du willst, dass Frauen wieder Kinder kriegen und zu Hause bleiben. "Der Mann ging zur Jagd, später zur Arbeit und sorgte für den Lebensunterhalt der Familie, die Frau kümmerte sich um das Heim, den Herd, die Kinder." Mausi, ich bin dabei. Schon alleine, weil ich gerne deinen Job hätte, deine Moderatoren-Verträge, deine Buch-Deals. Dann bin ich nicht mehr der Leichtlohngruppen-Lurch, der im Windschatten deiner Karriere segelt.

Moderatorin Herman: Nicht ohne meine "Impulse"
DDP

Moderatorin Herman: Nicht ohne meine "Impulse"

Zugegeben, ich fand dich schon scharf, in deinen smarten Business-Klamotten, den schicken Kostümen. Und wie gebildet du immer rübergekommen bist, "Tagesschau", das hatte was. Aber wenn du dann zu Hause bleibst, in verkleckerten Sweatshirts durch unsere Villa streifst, auf der Suche nach Lieblingsteddys und Nuckelflaschen, sitz ich im Büro und biete der, wie du ganz richtig schreibst, "Entmännlichung der Herrenwelt" Paroli. Wieviel Sekretärinnen ich dann wohl habe? Alles sicher junge Karrieristinnen, die einfach noch nicht geschnallt haben, was du längst wahr gemacht hast: "etwas zu erschaffen, was man den Familiensegen nennt".

Aber, Schnuffelchen, Hand aufs Herz: Ganz leicht fällt mir die Rückkehr zu dieser "verlorenen Welt, die unseren Vorfahren jahrtausendelang Kraft und Halt gab", nicht. Irgendwie hatte ich mich an meine Dauerpubertät gewöhnt: Hinterm Rechner und vorm DVD-Player herumlungern, keine Verantwortung übernehmen, ab und zu eine waidwunde Single-Mom mit Therapie-Talk weichquatschen und ansonsten zwischen Praktika und Clubbing-Nächten der sozialwirtschaftlich mehr oder weniger abgepolsterten Zukunft entgegenfeiern. Na, eher weniger: Die coolen Jobs bekamt ja immer öfter ihr - smarte, fleißige, kompetente Frauen, die wussten, woher im Spätkapitalismus der Wind weht.

Gut, dass du dem ein Ende setzt, Schmusebäckchen. "Wenn die Frau zur Konkurrentin des Mannes wird, spürt er weder Bindung noch Verantwortung für sie", schreibst du. Hoffentlich schnallen das bald auch mal Sabine Christiansen und Sandra Maischberger. Meine Bindungsängste, die waren ganz klar ein krass internalisierter Konkurrenzdruck. War auch echt zu viel verlangt: Du greifst die besseren Jobs ab und ich soll auf emotionale Wellness machen.

Aber jetzt herrschen wieder klare Verhältnisse. "Wo ist die heute funktionierende familiäre Rückendeckung?", lautet deine Frage, und du hast Recht: Da draußen ist Krieg, ein Mann braucht Feuerschutz und keine "Emanzipationsopfer", wie sie die von dir beschriebenen "Latzhosen-Demos" gefordert hat. Ach, Zuckerpüppchen, für dich war die Farbe Lila immer nur ein schöner Film; Demos hältst du für Probeaufnahmen. Und das ist gut so.

"Wo sind sie jetzt", fragst du, "die Anführerinnen, die in den meisten Fällen selber niemals Kinder, geschweige denn Männer hatten?" In Thailand vielleicht, beim Sex-Tourismus? Oder einfach in Therapie, von wegen verdrängte Kinderwünsche und so? Denn: "Ein Mensch, der sich gegen Kinder entscheidet, wendet sich auch dagegen, Enkelkinder aufwachsen zu sehen." Du, das hat mich so was von erreicht. Ich habe die Probe aufs Exempel gemacht, mir einen Fünfjährigen geschnappt und ihm ins Gesicht gesagt: "Mit deinen Kindern will ich nichts zu tun haben!" Das Resultat war erschütternd, der Junge ließ sich erst mit einem mehrseitigen Schirrmacher-Zitat wieder beruhigen.

"Sein Lebensabend wird eine beängstigend stille Zeit sein", schreibst du über den Fortpflanzungsgeizigen, "ohne Kinderlachen oder -weinen, ohne lebendige Impulse." Stimmt. Niemand, dem man sagen kann: Hätte ich dir auch gleich sagen können. Oder: Was gibt's denn da zu lachen?

Und dieser Lebensabend wird "in vielen Fällen eine Zeit des schmerzvollen Nachdenkens und der tiefen Reue werden". Häschen, da sind wir vor. Zum Nachdenken brauchen wir keine Zeit: Du, weil dir unsere 40 Enkel jede Menge lebendige Impulse verpassen werden; ich, weil man zu Hause nichts bereuen muss, was im Büro passiert ist.



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