Retourkutsche des Boulevardblatts für Ibiza-Video "Kronen Zeitung" verhöhnt FPÖ

Einst standen sich die "Krone" und die FPÖ sehr nahe. Doch seit Ex-Vizekanzler Strache die Zeitung auf Ibiza feilbot, ist es vorbei mit der Zuneigung. Das schlechte Wahlergebnis kommentierte die Zeitung dann auch besonders hämisch.

"Kronen"-Sitz in Wien
AFP

"Kronen"-Sitz in Wien

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Die "Kronen Zeitung" und die FPÖ, das war lange, wenn schon keine Liebesbeziehung, dann doch zumindest eine Zweckgemeinschaft. "Wenn dieses Medium auf einmal uns pusht, dann machen wir nicht 27, dann machen wir 34 Prozent", prophezeite der damalige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache im Verlauf jener für ihn und seine Partei so verhängnisvollen Wodka-Bull-Sause auf Ibiza.

Doch weil der FPÖ-Mann damals der Zeitung quasi untreu wurde, indem er sie einer vermeintlichen russischen Oligarchin andiente, um hinterher "zack, zack" missliebige Redakteure austauschen zu können, war Schluss mit lustig. Zumindest bis heute Abend, denn das schlechte Abschneiden der FPÖ kommentierte die "Krone" via Twitter wie folgt:

Ob das vergleichsweise schlechte FPÖ-Ergebnis allein deswegen zustande kam, weil die "Krone" seit der "Ibiza-Affäre" nicht mehr voll des Lobes war für den einstigen Star der österreichischen Rechten und seine Partei, sei dahingestellt. Ein bisschen Wahlkampfhilfe hätte aber sicher nicht geschadet.

Und so schwingt in diesem spöttischen "Sorry" auch ein gewisses Selbstbewusstsein mit, quasi als Vergewisserung der eigenen publizistischen Macht. Und vielleicht liegt in dieser Nachricht an den Verflossenen ja auch ein kleines bisschen Wehmut, dass es vorbei ist mit der einstigen Eintracht. Denn früher verstanden sich die Freiheitlichen und die "Krone" prächtig.

Der ehemalige Onlinechef der Zeitung, Richard Schmitt, bekannte einmal in einem Interview: "Aber genauso wichtig ist, dass ich am Mittwoch oder Donnerstag auf Facebook einen Aufreger habe. Wenn Strache einen normalen Bericht von uns auf Facebook teilt, dann merken wir, das haut die Quote auf das 1,5-Fache hoch. Und umgekehrt kriegt er natürlich auch mehr Traffic, wenn wir ihn pushen."

Nicht nur bei der gegenseitigen Beförderung ihrer Geschäfte waren Krone und FPÖ sich zu Diensten. Politisch gingen das einflussreiche Boulevardblatt und die Rechten eine Symbiose ein. Bei der Hetzerei gegen vermeintliche und tatsächliche Ausländer, Asylbewerber und Geflüchtete standen sich die größte Zeitung des Landes und die Freiheitlichen in nichts nach.

Bilder von Geflüchteten auf dem Weg nach Österreich wurden schon mal überschrieben mit "Der IS auf dem Weg zu uns". Ein paar Seiten weiter hinten im Blatt konnten die Leserinnen und Leser dann Lobeshymnen auf den damaligen FPÖ-Chef finden: "Wie macht das nur der H.C. Strache?"

Davon ist keine Rede mehr. Doch der nächste Radikale kommt bestimmt, bei dem es lohnt, den Steigbügel zu halten.



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