Peter Ahrens

Aufregung über WDR-Klimasatire Das Ende vom Lied

WDR-Intendant Tom Buhrow hat sich für den "Umweltsau"-Kindersong zur Klimapolitik entschuldigt, der Sender hat das Satirevideo gelöscht. Das darf nur der Anfang sein.
Intendant ohne Wenn und Aber: Er ist Buhrow, was machst du so?

Intendant ohne Wenn und Aber: Er ist Buhrow, was machst du so?

Foto: Oliver Berg/ dpa

Es musste etwas geschehen. Schließlich hatte sich selbst der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen in dieses Thema eingeschaltet. Dann muss es sich um etwas Schwerwiegendes handeln, sonst hätte sich ja der Landesvater des bevölkerungsreichsten deutschen Bundeslandes niemals zu Wort gemeldet. Also entschuldigte sich WDR-Intendant Tom Buhrow, Chef des größten Rundfunkhauses Europas, live per Anruf in einer Sondersendung dafür, dass sein Sender auf seiner Facebookseite den WDR-Kinderchor von der lieben Oma als "Umweltsau" singen ließ.

"Es war ein Fehler, ich entschuldige mich ohne Wenn und Aber dafür", so Buhrow. Da hatte der Sender das Video bei Facebook schon wieder gelöscht. Völlig richtig so. Meine Oma, Jahrgang 1901, zum Beispiel hatte noch nicht einmal einen Führerschein. Da ist wohl eine Entschuldigung fällig.

Den Ausdruck "Ekel Alfred" unglücklich gewählt

Aber das kann nur der Anfang sein. Man muss nur ins Programm der nächsten Tage schauen, um zu sehen, was bei diesem WDR über viele Jahre falsch gelaufen ist und wofür der Intendant untertänigst um Entschuldigung zu bitten hat. So wird an Silvester wieder "Ein Herz und eine Seele" mit Alfred Tetzlaff gezeigt.

Sorry for Ekel: Darsteller der TV-Serie "Ein Herz und eine Seele" posieren im Dezember 1973 in Köln

Sorry for Ekel: Darsteller der TV-Serie "Ein Herz und eine Seele" posieren im Dezember 1973 in Köln

Foto: Hans Dürrwald/ dpa

Es war ein Fehler, mit dieser Sendung den Eindruck zu erwecken, kleine Männer seien Haustyrannen, die zu viel Alkohol in den Punsch gießen. Mir ist auf dem Weg zur Arbeit eben erst ein kleiner Mann begegnet, der mir freundlich zugenickt hat. Und Frauen, glauben Sie mir, sind keine dusseligen Kühe. Den Ausdruck "Ekel Alfred" halten wir für unglücklich gewählt und weisen ihn mit dem allergrößten Bedauern zurück.

Ab dem 2. Januar wiederholt der WDR seine alten Klimbim-Folgen. Dass in der Klimbim-Familie ein militanter Opa, eine hysterische Frau und eine Göre ohne Manieren vorkommen, bedauern wir sehr und betonen: Nicht jeder Großvater ist vom Krieg fasziniert. Und was Ingrid Steeger dort so teilweise an Nichtkleidung trägt, tut uns sehr leid und könnte anstößig wirken. Wir verweisen allerdings darauf, das es sich dabei um einen satirischen Beitrag handelt.

Es soll in keinem Fall damit gesagt werden, dass jeder Onkel Franz ein Nazi ist

Und überhaupt: Die WDR-Lindenstraße. Mehr als 30 Jahre konnte sie unbehelligt ein völlig verzerrtes Generationenbild transportieren. Das tut uns sehr leid, und wir betonen, es liegt uns fern, den Eindruck zu vermitteln, als sei jede ältere Frau ein tratschendes böses Waschweib, eine oide Ratschn. Ich kenne viele Waschweiber, die haben hart gearbeitet und Deutschland nach dem Krieg wiederaufgebaut. Entschuldigung. Auch was den Onkel Franz der Beimers angeht, den Nazi-Opa: Um Gottes willen, es soll in keinem Fall damit gesagt werden, dass jeder Onkel Franz ein Nazi ist. Ich kenne zum Beispiel einen Onkel Franz, der sehr katholisch ist.

Und sollten wir vom WDR noch einmal auf die Idee kommen, unsere alten Schimanski-Tatorte zu wiederholen. Es sei jetzt schon gesagt: Wir entschuldigen uns sehr dafür, wenn es so scheint, als wollten wir die Polizei diffamieren. Es ist keineswegs so, dass jeder Polizist des Landes Nordrhein-Westfalen alle 30 Sekunden "Scheiße" sagt. Ohnehin distanzieren wir uns von dem Begriff "Scheiße", gerade in Zusammenhang mit der deutschen Polizei.

Dass wir in der Musiksendung "Plattenküche" jahrelang vermittelt haben, beim WDR würden anarchische Ideen umgesetzt, das bedauern wir im Nachhinein sehr. Entschuldigung. Die Sendung haben wir zum Glück längst eingestellt, sonst wären die Macher noch auf die Idee gekommen, eine Band im Hühnerstall Motorrad fahren zu lassen oder ähnlichen Unsinn. Entschuldigung.

Aus die Maus

Dass wir über viele Jahre Kinder damit zu dem Glauben umerzogen haben, es gebe kleine blaue Elefanten und eine mit Augenlidern klimpernde Maus, die über die Alltagsdinge besser Bescheid weiß als alle die Erwachsenen, besser vielleicht gar als der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, tut uns sehr leid. Wir möchten ausdrücklich betonen: Nein, es gibt keine Maus, die klüger ist als der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Damit haben wir Kinder instrumentalisiert, das tut uns sehr leid, aber das war nicht unsere Absicht.

Ab der kommenden Woche senden wir auch wieder unsere wöchentliche Polittalksendung "Hart aber fair", dafür möchten wir uns per se schon einmal entschuldigen. Wenn der Eindruck entstehen sollte, Moderator Frank Plasberg bevorzuge Boulevardthemen und heize damit die gesellschaftliche Stimmung an, dann tut uns dieser Eindruck leid. Wir betonen, dass damit nicht sämtliche Politikjournalisten diskreditiert werden sollen. Allerdings weisen wir den Eindruck zurück, es handele sich um einen satirischen Beitrag.

Wir bedauern diese ganze Angelegenheit sehr, das müssen Sie uns glauben. Auch dass ein Intendant sich für solch eine banale Geschichte überhaupt in der Öffentlichkeit entschuldigt, tut uns sehr leid. Es soll nicht für alle Senderverantwortlichen in der Geschichte des WDR stehen. Entschuldigung. Ohne Wenn und Aber.