Weibliche Führungskräfte Medienfrauen fordern Quote

In fast allen deutschen Redaktionen führen Männer das große Wort und besetzen sämtliche Chefsessel. Das soll sich ändern, meinen 350 Journalistinnen - und fordern eine 30-Prozent-Quote für Führungspositionen in den Medien binnen fünf Jahren. Mindestens.
Zwar noch in der Überzahl, aber dem Quotenwunsch entsprechend: Zwei Männer, eine Frau

Zwar noch in der Überzahl, aber dem Quotenwunsch entsprechend: Zwei Männer, eine Frau

Foto: Corbis

Berlin - "Wer bestimmt, was in der Zeitung steht? Was im Radio und im Fernsehen läuft? Fast immer: Männer. In den Chefetagen deutscher Redaktionen sind Frauen eine Rarität. Wir Journalistinnen fordern jetzt: die Quote." Kämpferisch und seit neuestem mit einem eigenen Webauftritt zur Kampagne  wenden sich 350 deutsche Journalistinnen an die Öffentlichkeit. Bekannte wie Sabine Christiansen, Dagmar Reim und Anne Will eint ein Ziel mit freien Journalistinnen und Autorinnen, die sich ohne hochdotierte Verträge durch den Markt kämpfen müssen: "Mindestens 30 Prozent der Führungspositionen in den Redaktionen (sollen) im Laufe der nächsten fünf Jahre mit Frauen besetzt werden - und zwar auf allen Hierarchiestufen." So steht es in einem offenen Brief, den die Initiative an die deutschen Chefredakteure, Verleger und Intendanten geschickt hat.

Denn obwohl seit Jahren viel vom Mangel an weiblichem Führungspersonal in deutschen Chefetagen die Rede ist, obwohl die Telekom eine 30-Prozent-Quote bei den Führungskräften eingeführt hat und auch die Bundesregierung zumindest eine Selbstverpflichtung der deutschen Unternehmen diskutiert, hat sich in den Medien bisher wenig getan.

"Tatsächlich sind nur zwei Prozent aller Chefredakteure der rund 360 deutschen Tages- und Wochenzeitungen Frauen, von den 13 Intendanten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind lediglich drei weiblich. Und auch den Redaktionen der Nachrichtenmagazine stehen fast ausschließlich Männer vor", rechnen die Quoten-Aktivistinnen in ihrem Brief vor.

Auch beim SPIEGEL ist, trotz der Titelgeschichte von Anfang 2011 ("Warum Deutschland die Frauenquote braucht") noch einiges zu tun, bis eine ausgeglichene Machtverteilung unter den Geschlechtern hergestellt ist: Hier gibt es lediglich drei stellvertretende Ressortleiterinnen (zählt man Sonderthemen dazu, sind es vier). Die gesamte restliche redaktionelle Führungsebene inklusive der Chefredaktion ist rein männlich besetzt. Bei SPIEGEL ONLINE zählen wir eine stellvertretende Chefredakteurin, eine Chefin vom Dienst, zwei Ressortleiterinnen, zwei stellvertretende Ressortleiterinnen und eine Textchefin.

Die Initiatorinnen der Quote wollen die Medienbosse offenbar an ihrer Ehre packen: "Schaffen Sie das?", fragen sie am Ende ihres offenen Briefes. Wie die Meinungsmacher auf die Aufforderung der Frauen reagieren, wollen diese auf ihrer Web-Seite www.pro-quote.de  dokumentieren.

kuz