Weißes Haus contra Fox News Krieg auf dem falschen Kanal

Das Weiße Haus bekämpft offen den erzkonservativen Kabelkanal Fox News. Dahinter steckt eine Top-Strategin Barack Obamas, die bisher im Hintergrund agierte und sich nun im Krieg mit dem Sender wähnt - prompt schießen dessen Quoten in die Höhe. Die Sache droht nach hinten loszugehen.

AP

Von , New York


Wo erklärt man jemanden den Medienkrieg? Natürlich im Fernsehen.

Anita Dunn, Kommunikationschefin des Weißen Hauses, verkündete auf CNN: "Wir werden sie so behandeln, wie wir einen Gegner behandeln würden." Und weiter: "Sie haben Barack Obama und dem Weißen Haus den Krieg erklärt."

Sie - das ist Fox News, der Sender des Medienmoguls Rupert Murdoch.

Der angebliche Nachrichtenkanal sei nichts anderes als "die Rechercheabteilung" und "die Kommunikationsabteilung der republikanischen Partei", polterte Dunn. Es sei "wirklich kein News-Network", zumindest kein "legitimes".

Der kämpferische Auftritt ist anderthalb Wochen her, und seitdem eskaliert der schon lange schwelende Konflikt zwischen dem Weißen Haus und Fox News - denn der Sender ließ die Attacke natürlich nicht auf sich sitzen. Obamas Leute seien die größten "Heulsusen", mit denen er in seinen 30 Jahren in Washington zu tun gehabt habe, schimpfte Fox-News-Moderator Chris Wallace.

Für Anhänger der Demokraten sind Fox News und seine Starmoderatoren wie Bill O'Reilly seit jeher ein Feindbild. Man hasst sie und wird gehasst. Neu aber sind Ton und Stil der Kontroverse.

Das Weiße Haus verweigert Fox News nun Interviews. Der Nachrichtensender wiederum hat Obama zum Feind erhoben, samt eigenem Themenlogo: "The War On Fox News." Moderator Sean Hannity verbrachte am Dienstag eine ganze Stunde damit, Beispiele für den "Wahnsinn" und das "Scheitern" des "Teams Obama" aufzulisten. Gefolgt vom Hinweis: "Was Sie heute Abend gehört haben, ist nicht vom Weißen Haus abgesegnet."

Die Frau, die alles lostrat, ist indes im West Wing abgetaucht und lehnt nun weitere Äußerungen ab. Denn Fox News hat sich auf Anita Dunn eingeschossen.

Frau fürs Grobe

Dass Dunn, 51, eines Tages mitten in einer solchen Kontroverse landen würde, überrascht keinen, der ihre Karriere verfolgt hat. Seit Ende der achtziger Jahre zieht sie bei demokratischen Wahlkämpfen Strippen. Sie begann als Mitarbeiterin von Hamilton Jordan, dem legendären Strategen, der Jimmy Carter nach Washington brachte. Sie beriet den Ex-Astronauten und demokratischen Senator John Glenn bei dessen erfolgloser Bewerbung um die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten 1984. Später war sie Chefstrategin des Senators Bill Bradley, dessen Griff nach dem Weißen Haus 1999 ebenfalls misslang.

Als Co-Chefin der Top-Beraterfirma Squier Knapp Dunn war sie seither an etlichen Wahlkämpfen beteiligt. Etwa 2004 an der Senatswahl, bei der sie den Demokraten Blair Hull in Illinois beriet. Hull verlor schon in der Vorwahl - unter anderem, nachdem peinliche Details seiner Scheidung durchgesickert waren. Er machte Dunn später für das schlechte Krisenmanagement mitverantwortlich: "Sie hat die Frage nicht sehr gut gehandhabt", sagte er der "Washington Post" kürzlich.

Nutznießer des Skandals war ein unbekannter Landessenator. Der sicherte sich die demokratische Nominierung und schaffte es so in den Bundessenat.

Sein Name: Barack Obama.



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Seite 1
almabu, 22.10.2009
1. Wer sich so leidenschaftlich auf eine Seite schlägt wie Fox-News,
der darf sich nicht wundern, wenn es irgendwann Gegendruck gibt! Wo steht, dass sich eine Regierung nicht gegen demagogische Diffamierungen wehren darf? Fox "gibt dem Affen fleissig Zucker" und gefährdet damit auch konkret die persönliche Sicherheit und Unversehrtheit Obamas in einem Land, dessen Bürger bis an die Zähne bewaffnet sind. Die innere Zerissenheit der USA zu fördern ist schließlich kein sinnvoller Auftrag für die Murdoch-Klitsche, oder?
Born to Boogie, 22.10.2009
2. Was würde Homer sagen ?
Kann ein Sender, der die " Simpsons " sendet böse sein ?
bastido 22.10.2009
3. Kein Amerikanisches Phänomen
Es schon merkwürdig wie sich manche Menschen das mit der Objektiven Berichterstattung vorstellen. Als wenn Journalisten irgendwelche wissenschaftlichen Messinstrumente währen, die nur das Messergebnis kundtun. Nein, auch Journalisten und Medien haben Meinungen und oft auch Absichten, die nicht unbedingt mit objektiver Berichterstattung einhergehen. (tatsächlich auch Menschen) Das Fox sozusagen der Mediale Arm der Republikaner ist, scheint tatsächlich so zu sein. (Soweit sich das von hier beurteilen lässt.) Und Kampanien zur Durchsetzung bestimmter politischer Ziele, oder Diffarmierung politisch unliebsamer Personen oder Organisationen sind zwar bedauerlich, aber bei so einem Konstrukt wie Fox wohl kaum wegzudenken. Hetzkampagnen gibt es aber auch hier zulande. Ein Bekannter von mir, der in der FDP mitglied ist findet die Berichterstattung zur Atomenergie auf Spiegelonline alles andere als Objektiv. (Was ich eher anders sehen würde) Und bei all meiner Kritik an der Linkspartei, halte ich die Berichterstattung auf Spiegelonline zu diesem Thema (im Vorfeld der Wahl) zu 90% für eine ziemlich unseriöse Kampagne, mit dem Ziel ein zu gutes Wahlergebniss zu verhindern. (Das machen auch andere Medien und auch mit anderen Parteien)
dbraaker 22.10.2009
4.
Zitat von bastidoEs schon merkwürdig wie sich manche Menschen das mit der Objektiven Berichterstattung vorstellen. Als wenn Journalisten irgendwelche wissenschaftlichen Messinstrumente währen, die nur das Messergebnis kundtun. Nein, auch Journalisten und Medien haben Meinungen und oft auch Absichten, die nicht unbedingt mit objektiver Berichterstattung einhergehen. (tatsächlich auch Menschen) Das Fox sozusagen der Mediale Arm der Republikaner ist, scheint tatsächlich so zu sein. (Soweit sich das von hier beurteilen lässt.) Und Kampanien zur Durchsetzung bestimmter politischer Ziele, oder Diffarmierung politisch unliebsamer Personen oder Organisationen sind zwar bedauerlich, aber bei so einem Konstrukt wie Fox wohl kaum wegzudenken. Hetzkampagnen gibt es aber auch hier zulande. Ein Bekannter von mir, der in der FDP mitglied ist findet die Berichterstattung zur Atomenergie auf Spiegelonline alles andere als Objektiv. (Was ich eher anders sehen würde) Und bei all meiner Kritik an der Linkspartei, halte ich die Berichterstattung auf Spiegelonline zu diesem Thema (im Vorfeld der Wahl) zu 90% für eine ziemlich unseriöse Kampagne, mit dem Ziel ein zu gutes Wahlergebniss zu verhindern. (Das machen auch andere Medien und auch mit anderen Parteien)
Das jede Zeitung, jeder Sender eine politische Tendenz aufweist ist ja garnicht das Problem. IdR. wird in allen seriösen Medien darauf geachtet zumindest kontroverse Meinungen zu den sogenannten Fakten zu präsentieren, bei Fox findet sich leider nur Propaganda und Show.
Julian Bachert, 22.10.2009
5. ...
Zitat von bastidoEs schon merkwürdig wie sich manche Menschen das mit der Objektiven Berichterstattung vorstellen. Als wenn Journalisten irgendwelche wissenschaftlichen Messinstrumente währen, die nur das Messergebnis kundtun. Nein, auch Journalisten und Medien haben Meinungen und oft auch Absichten, die nicht unbedingt mit objektiver Berichterstattung einhergehen. (tatsächlich auch Menschen) Das Fox sozusagen der Mediale Arm der Republikaner ist, scheint tatsächlich so zu sein. (Soweit sich das von hier beurteilen lässt.) Und Kampanien zur Durchsetzung bestimmter politischer Ziele, oder Diffarmierung politisch unliebsamer Personen oder Organisationen sind zwar bedauerlich, aber bei so einem Konstrukt wie Fox wohl kaum wegzudenken. Hetzkampagnen gibt es aber auch hier zulande. Ein Bekannter von mir, der in der FDP mitglied ist findet die Berichterstattung zur Atomenergie auf Spiegelonline alles andere als Objektiv. (Was ich eher anders sehen würde) Und bei all meiner Kritik an der Linkspartei, halte ich die Berichterstattung auf Spiegelonline zu diesem Thema (im Vorfeld der Wahl) zu 90% für eine ziemlich unseriöse Kampagne, mit dem Ziel ein zu gutes Wahlergebniss zu verhindern. (Das machen auch andere Medien und auch mit anderen Parteien)
Haben Sie schon mal VOX-News geschaut? Das ist nochmal Welten von "nicht objektiv" entfernt. Dass keine Medienplattform 100% objektiv ist, dürfte klar sein. VOX-News versucht das aber nichtmal. Der politischen Gegenfraktion wird nichtmal eine Chance gegeben, bzw diese kritisch durchleuchtet. Man versucht, sie fertig zu machen. Dass VOX absolut gar nichts taugt sah man übrigens auch im Wahlkampf - ich sag nur Ron Paul. Wie der vom angeblichen Sprachrohr der Republikaner behandelt wurde, sagt wohl alles über die Seriosität des Senders.
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