Reliquiensammlung Deutschland auf Herausgabe des Welfenschatzes verklagt

War der Welfenschatz NS-Raubkunst? Das wollen die Erben der einstigen Eigentümer vor einem US-Gericht feststellen lassen - und verklagen Deutschland.
Reliquie aus dem Welfenschatz: Klage in den USA

Reliquie aus dem Welfenschatz: Klage in den USA

Foto: Markus Schreiber/ AP/dpa

Berlin - War der Preis fair oder nicht? Das ist die zentrale Frage im Streit um den sogenannten Welfenschatz, die nun ein Gericht in der US-Hauptstadt Washington beschäftigen wird. 1935 hatte das Land Preußen - unter dem damaligen Ministerpräsidenten Hermann Göring - über die Dresdner Bank einen Teil der Reliquiensammlung für das Berliner Schlossmuseum erworben.

Verkäufer war ein Handelskonsortium, unter deren Mitgliedern einige jüdischen Glaubens waren. Deren Erben sagen heute, das Konsortium habe die Objekte unter dem Druck der Nationalsozialisten unter Wert verkaufen müssen. Deshalb sei das Geschäft widerrechtlich und nichtig.

"Würde Deutschland etwas anderes behaupten, würde es noch 2015 Görings Plündereien ausdrücklich billigen", heißt es in einer Klageschrift, die der Bostoner Anwalt Nicholas M. O'Donnell beim US-Bundesgericht eingereicht habe. Darin wird die Stiftung Preußischer Kulturbesitz zur Herausgabe der Werke aufgefordert.

Der Welfenschatz wurde ursprünglich für den Braunschweiger Dom zusammengetragen. Die Goldschmiedearbeiten aus dem 11. bis 15. Jahrhundert gelangten 1671 in den Besitz des Welfenhauses, des ältesten Adelsgeschlechts Europas. 1929 verkaufte Herzog Ernst-August von Braunschweig-Lüneburg 82 Stücke an das Händlerkonsortium.

Sechs Jahre später erwarb der Staat Preußen etwa die Hälfte der Kunstschätze für das Schlossmuseum, das heutige Kunstgewerbemuseum in der Nähe des Potsdamer Platzes in Berlin. Die Kläger schätzen ihren Wert auf 260 Millionen Euro.

Grütters: "Keine neue Fakten"

Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger reagierte "verwundert". Er gehe jedoch davon aus, dass die jahrelange wissenschaftliche Erforschung des Falls auch das US-Gericht überzeugen werde - sollte es überhaupt zuständig sein, erklärte er.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat "mit Gelassenheit" auf die Klage reagiert. "Uns sind keine neuen Fakten bekannt", sagte die CDU-Politikerin am Dienstag auf Anfrage. Für die Bundesregierung gelte weiter die Empfehlung der sogenannten Limbach-Kommission.

Diese hatte ebenso wie die Stiftung erklärt, es gebe keine Hinweise auf NS-Raubkunst. Die Schiedskommission unter Leitung der früheren Bundesverfassungsgerichtspräsidentin Jutta Limbach sprach den Schatz deshalb 2014 - in einer allerdings nicht bindenden Entscheidung - der Preußenstiftung zu.

Die Kläger - Alan Philipp (London) und Gerald Stiebel (USA) - hatten das Gremium damals mit angerufen. In ihrem Schriftsatz jetzt bezeichnen das Verfahren allerdings als "Scheinprozess". Sie hätten 2014 die gleiche Diskriminierung erfahren wie ihre Verwandten während der Nazi-Zeit.

Die Kläger hätten sich gezwungen gesehen, bei einem US-Gericht zu klagen, weil das deutsche Zivilrecht nach wie vor keine ausreichende Handhabe zur Wiedergutmachung von NS-Unrecht biete.

feb/dpa/AP

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