"Welttag des Buches" Deutsche haben wenig Spaß am Lesen

Mit der Lust am Lesen ist es bei den Deutschen nicht weit her. Im Schnitt werden hierzulande - je nach Erhebung - nur zwischen 25 und 40 Minuten pro Tag geschmökert. Auch mit der Leseförderung sieht es nicht allzu rosig aus.

Mainz - Für Leseförderung wird in Deutschland nicht allzu viel von der öffentlichen Hand beigesteuert. Offenbar wird vorausgesetzt, dass im Land der Dichter und Denker der Griff zum Buch selbstverständlich ist. Die gemeinnützige Stiftung Lesen in Mainz ist in Deutschland die größte Leseinitiative. Sie wurde 1988 gegründet und betreibt rund 60 Projekte. Ein Großprojekt ist, wie jedes Jahr, der heutige Welttag des Buches: An 335.000 Fünftklässler wird heute ein Buch verschenkt, um sie zum Lesen zu animieren. Ohne private Sponsoren wäre das allerdings unmöglich.

"Im Schnitt erhalten wir pro Jahr 200.000 Euro an staatlicher Förderung", sagt Bodo Franzmann, Leseforscher bei der Stiftung Lesen. Ein geringer Betrag, wenn man bedenkt, dass der Jahreshaushalt der Stiftung bei drei Millionen Euro liegt. "Im Europavergleich liegt Deutschland bei der Förderung am unteren Ende", sagte Franzmann. In Großbritannien habe die Regierung gerade 27 Millionen Pfund für eine Dauer von zehn Jahren bewilligt. Davon könne man hier nur träumen.

Ein anderes Positiv-Beispiel ist Finnland: Bei dem Pisa-Sieger wird die Leseförderung komplett aus öffentlichen Mitteln finanziert - und das schon seit längerem. Finnland verfügt traditionell über ein breites Bibliothekennetzwerk. Die Nutzung ist für alle Finnen kostenlos. Wie auf das finnische Bildungsministerium auf seiner Internetseite mitteilt, nutzen 80 Prozent der Finnen dieses Angebot regelmäßig. 2005 wurden den Angaben zufolge 105,6 Millionen Bücher, Zeitschriften oder elektronische Medien ausgeliehen und insgesamt 62 Millionen Besucher gezählt. In Schweden wird der größte Teil der Leseförderung aus staatlichen Mitteln finanziert, Leseförderung ist zudem auch ein Schwerpunkt in der Vorschule. Zudem gibt es einen Steuernachlass im Geburtsland von Astrid Lindgren: Statt bei 25 Prozent liegt die Mehrwertsteuer für Bücher bei 6 Prozent. Insgesamt lesen nach einer Erhebung von 2001 schwedische Kinder lieber als andere im internationalen Durchschnitt.

Freude am geschriebenen Wort

In Deutschland steht es mit der Leselust weniger gut als bei den Schweden. In der Pisa-Studie aus dem Jahr 2000, gaben 42 Prozent der 15-Jährigen an, niemals zum Spaß zu lesen. Eine Überraschung ist das nicht: Die Freude am geschriebenen Wort kommt keineswegs von selbst. "Nach Zahlen des statistischen Bundesamtes wird nur ein Drittel der Kinder im Vor- und Grundschulalter zu Hause vorgelesen", sagt Franzmann. Dabei sei gerade die Gutenachtgeschichte vorm Schlafengehen eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die Kinder später selber gerne lesen.

Für mehr Lesespaß machen sich übrigens auch gekrönte Häupter, Staatsmänner und vor allem deren Gattinnen stark. In den USA hat First Lady Laura Bush 2001 zum Beispiel die Initiative America@your library ("Amerika in Deiner Bücherei") ins Leben gerufen. Die ehemalige Bibliothekarin engagiert sich nicht nur in den USA für mehr Lesefreude. Bei America@your library werden unter anderem Bücher amerikanischer Autoren an ausländischer Büchereien verschenkt, um über die Kultur und Geschichte der Vereinigten Staaten zu informieren. In Deutschland werden für das Projekt vor allem Bibliotheken in der ehemaligen DDR bevorzugt.

Im Sommer vergangenen Jahres brachte Laura Bush sogar höchstpersönlich Bücher für eine Kinderbücherei in Stralsund bei ihrem Besuch in Mecklenburg-Vorpommern mit. Die First Lady ist zudem auch Unesco-Botschafterin. Dabei ist sie in guter Gesellschaft - als Unesco-Botschafterinnen engagieren sich unter anderem auch die Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn von Thailand und die Großherzogin von Luxemburg für mehr Liebe zu Büchern.

mzs

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