Bremer Tageszeitung "Weser Kurier" soll bis zu 110 Stellen streichen

Massive Stellenkürzungen beim "Weser Kurier": Bis zu 110 Mitarbeiter müssen gehen. Zwei Abteilungen werden komplett geschlossen, zwei Regionalausgaben ausgelagert. Der Deutsche-Journalisten-Verband reagiert entsetzt.

Hamburg/Bremen - Die Einschnitte sind drastisch. Die Bremer Tageszeitungen AG (BTAG) will beim "Weser Kurier" nach Informationen des Deutschen-Journalisten-Verbandes (DJV) bis zu 110 Mitarbeiter entlassen - rund ein Drittel der Belegschaft.

Ruth Gerbracht, Betriebsratsvorsitzende und Redakteurin beim "Weser Kurier", bestätigte eine entsprechende Meldung des Branchendienstes "Meedia" auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE. Zwei Abteilungen sollen nach ihren Angaben bis Ende 2013 abgewickelt werden: der Kundenservice und die Druckvorstufe. Von der Schließung seien etwa 54 Kolleginnen und Kollegen betroffen.

Darüber hinaus wolle der Verlag 20 Redakteurinnen und Redakteuren sowie insgesamt weiteren 40 Mitarbeitern im Druckhaus und in der kaufmännischen Abteilung Abfindungen anbieten, wenn sie freiwillig gehen, sagte Gerbracht. Die Geschäftsleitung wolle mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan und einen Interessenausgleich verhandeln, erklärte die Betriebsratsvorsitzende. Im Vorstand der BTAG war bis Mittwochnachmittag niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Einer Mitteilung des DJV zufolge will der Verlag im Rahmen der Neustrukturierungen bereits zum 30. April nun auch die Regionalausgaben "Achimer Kurier" und "Verdener Nachrichten" an den Dienstleister Pressedienst Nord GmbH (PDN) fremdvergeben. Zuvor seien bereits die BTAG-Regionalredaktionen des "Delmenhorster Kuriers", der "Regionalen Rundschau" (Brinkum) und des "Syker Kuriers" dorthin ausgelagert worden. Der Dienstleister PDN bezahle nach Verbandsangaben seine Redakteure weit unter dem gültigen Tarifvertrag für Tageszeitungsredakteure.

"Der DJV Bremen ist entsetzt", erklärte die Gewerkschaft in der Mitteilung. Die Auslagerung der Regionalausgaben an einen externen Dienstleister habe drastische Konsequenzen für die Belegschaft, erklärte Regine Suling, Vorsitzende des DJV in Bremen, gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Es ist schon freien Mitarbeitern mitgeteilt worden, dass sie sich anderweitig orientieren dürfen", sagte Suling, und "diejenigen, die als Festangestellte neu dazu kommen, arbeiten dann auch unter Tarif." Die Maßnahme diene allein dem Ziel, Gehälter zu drücken.

bos
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