Wegen des Buches "Barbara" Familie von Manfred Krug bricht mit Liedermacher Wolf Biermann

Der Liedermacher Wolf Biermann und der Schauspieler Manfred Krug waren in der DDR Weggefährten. Nun widmete Biermann ihm in einem Buch ein Kapitel. Nach Lektüre ist Krugs Familie empört - und wendet sich in einem offenen Brief von ihm ab.

Manfred Krug und Sohn Daniel in der Garage ihres Hauses in Ost-Berlin kurz vor der Ausreise in den Westen, Juni 1977
Monika Zucht/ DER SPIEGEL

Manfred Krug und Sohn Daniel in der Garage ihres Hauses in Ost-Berlin kurz vor der Ausreise in den Westen, Juni 1977

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Der Sohn des verstorbenen Schauspielers Manfred Krug, Daniel Krug, rechnet stellvertretend für die Familie in einem offenen Brief mit dem Liedermacher Wolf Biermann ab, wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte bei SPIEGEL+.)

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Heft 14/2019
Der bizarre Streit um den Schutz unserer Kinder

Anlass ist dessen jüngst veröffentlichter Novellenband "Barbara", in dem es im Kapitel "Zwei Selbsthelfer" auch um den populären Sänger und Schauspieler geht. Krug junior sieht darin seinen Vater verunglimpft und wirft Biermann vor, "verkaufsfördernd schnell noch die Macken deiner Protagonisten ins Rampenlicht" zu zerren, um den "Bodensatz deiner geschwätzigen Tagebücher" zu verwerten, "bevor dein eigener Stern erlischt".

Den Einstieg in das Kapitel, in dem Biermann den Namen Krug verschieden deutet, kritisiert er als "so originell wie Hunderte anderer Einfaltspinsel, billig und beschissen gequirlt". Krug junior unterstellt, Biermann habe mit dem Verfassen der Anekdoten über Krug so lange gewartet, bis sich der vor knapp drei Jahren verstorbene Krug selbst nicht mehr dazu äußern könne. "Beim Lesen des Textes wird man ihn nicht los, den Mief von Neid und Retourkutsche für zu wenig erwiderte Aufmerksamkeit und Liebe", schreibt Daniel Krug in Anlehnung an seinen Vater. "Sag, kesser Schreiber, vor einigen Jahren - als er noch gut im Saft stand - … hinderte dich die schiere Angst vor seinen unberechenbaren Reflexen?"

Storys von der Stasi

Der Sohn des 1977 von der DDR in die Bundesrepublik übergesiedelten Schauspielers stört sich vor allem daran, dass die meisten von Biermann wiedergegebenen Geschichten über Krug aus dritten Quellen stammen. "Jedenfalls ist jetzt wohl alles Selbsterlebte verschossen, und du musst ran an die Notreserven: besoffene Aufzeichnungen von 'garantiert wahren Geschichten', die der publikumssüchtige Schauspieler den gierigen Ohren der Partygänger einst lässig hinwarf."

Wolf Biermann
DPA

Wolf Biermann

Am wenigsten lässt Krugs Familie Biermann eine Geschichte von einer angeblichen Party durchgehen, bei der sich Krug gebrüstet haben soll, Millionär zu sein. Auch die Stasi lancierte zu DDR-Zeiten dieses Gerücht, um Krug zu diskreditieren.

"Dass der persiflierende Charakter seiner Millionenansprache vor Freunden in deinem Text überhaupt nicht herauskommt, ist das, was den größten Schaden anrichtet - an unseren Gefühlen wie an seinem Gedenken", schließt Sohn Daniel den Brief an Biermann.

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insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
competa1 30.03.2019
1. Spätesten seit..
..seinem unsäglich peinlichen Auftritt im deutschen Bundestag kann man diesen reimenden Racheengel nicht mehr ernst nehmen.
frenchie3 30.03.2019
2. Seit er "rübergekommen" ist
frage ich mich was an Biermann interessant ist. Außer daß er es geschafft hat mit miesem Gesang rauszufliegen. Aber gut, meine Auffassung von Poesie ist nicht richtungsweisend
annende 30.03.2019
3. Ganz verschiedene Typen
Biermann immer schon geschwätzig, egozentrisch, meistens überheblich. Krug der authentische Kumpeltyp. Ich kann die Familie gut verstehen. Erst vor kurzem ist mir bewusst geworden, dass Biermann in der DDR gar nicht so wichtig war. Ich erzählte meiner Physiotherapeutin, die aus der DDR stammt, von dem Biermann-Konzert, das ich "damals" besucht hatte. Ich habe lange gebraucht, ihr klarzumachen, von wem ich spreche.
stelzerdd 30.03.2019
4. Biermann wird maßlos überschätzt
Manfred Krug war - als er noch in der DDR lebte - dort in breiten Bevölkerungskreisen bekannt und beliebt wie kaum ein zweiter. Biermann kannte man nicht, er mag in seiner Ostberliner Blase eine Rolle gespielt habe. Bekannt wurde Biermann erst durch seinen Kölner Auftritt und das über das "Westfernsehen". Mir als Ossi drehte sich damals angesichts seiner peinlich verquasten Sehnsucht nach einer "wahren" kommunistischen Partei der Magen um. Mir schien damals, daß dieser großmäulige Mensch mit seinen mäßigen Reimen die bedingungslose Solidarität großer Teile der Ostberliner und kleinerer Teile der sonstigen DDR-Künstlerschaft als Mensch nicht wert war. Wir verloren für immer die begeisternden Live-Auftritte von Manfred Krug und seine und anderer bekannter Schauspieler Filme im Kino und Fernsehen. Seine späteren West-Fernsehserien waren nur ein schwacher Trost. Biermann? Wer war das doch gleich? Der fehlte niemandem.
VolkerKulle 30.03.2019
5.
Eigentlich ist Biermann in seiner historischen Rolle nur eine grandiose Fehlbesetzung.
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