World Press Photo Award Streit ums Leid-Bild

Großartig oder geschwindelt? Mit seiner Aufnahme zweier toter Kinder und einer trauernden Menschenmenge in Gaza-Stadt hat Paul Hansen den renommierten World Press Photo Award 2013 gewonnen. Nun äußert sich der Schwede zu erneuten Vorwürfen, sein Foto sei eine Fälschung.
Ausgezeichnet, aber umstritten: Paul Hansens Aufnahme aus Gaza-Stadt, November 2012

Ausgezeichnet, aber umstritten: Paul Hansens Aufnahme aus Gaza-Stadt, November 2012

Foto: Paul Hansen/ Dagens Nyheter

Hamburg/Amsterdam - Paul Hansen wehrt sich. Auf der englischsprachigen Nachrichtenseite news.com.au  hat der schwedische Fotograf Vorwürfe von sich gewiesen, sein mit dem World Press Photo Award ausgezeichnetes Bild aus Gaza-Stadt sei das Ergebnis einer Bild-Manipulation. "Das Foto ist sicher nicht aus mehreren Bildern zusammengesetzt, es ist keine Fälschung", sagt Hansen. Nach seiner Darstellung habe er in der Nachbearbeitung das Licht ausgeglichen, das Bild mit unterschiedlichen Lichtstärken entwickelt und diese Fotos dann übereinandergeblendet.

Unbestritten ist: Im November vergangenen Jahres hat Paul Hansen sein Leben aufs Spiel gesetzt. Der Fotograf war im Gaza-Streifen unterwegs, als Israel das abgesperrte Gebiet bombardierte, nachdem von hier aus Raketen auf sein Staatsgebiet abgefeuert worden waren. Tagelang dauerten die militärischen Auseinandersetzungen an. Hansen dokumentierte für die schwedische Tageszeitung "Dagens Nyheter" die Zerstörungen der Israelis und das Leiden der Zivilbevölkerung in Gaza.

Für eine seiner Aufnahmen, die zeigt, wie eine Gruppe von Männern zwei tote Kinder durch Gaza-Stadt trägt, wurde Hansen im Februar von der Jury des World Press Photo Award geehrt. Sein Bild wurde zum "Photo of the Year" gekürt.

Auf extremtech.com  wird allerdings behauptet, dass Hansens Bild mit dem Bildbearbeitungsprogramm Photoshop manipuliert worden sei. Es ist nicht der erste Betrugsverdacht, der an die Öffentlichkeit dringt. Auch auf der Fotosharing-Seite flickr  oder auf honestreporting.com  wurden Zweifel an Hansens Arbeit laut.

Fotostrecke

Fotografie: Die Gewinner des World Press Photo Awards 2013

Foto: Paul Hansen/ Dagens Nyheter

Der Extremtech-Artikel bezieht sich auf eine neue Untersuchung des Digital-Forensikers Neal Krawetz und argumentiert: "Das Ereignis selbst ist echt. Es gibt viele Fotos, die zeigen, wie die toten Kinder durch die Straßen von Gaza getragen werden. Aber das Foto wurde mit großer Wahrscheinlichkeit aus drei verschiedenen Aufnahmen zusammengesetzt, und die Gesichter der Trauernden wurden bearbeitet."

Schritt für Schritt wird auf der Seite aufgedeckt, wie Hansen das Foto manipuliert haben könnte. Als Beweis der Bearbeitung habe den Foto-Detektiven beispielsweise eine Schattenanalyse gedient. Nach dieser stimmten Schatten auf den Häuserwänden nicht mit den Schatten auf den Gesichtern der Trauernden überein. Hansens Bild sei eine arglistige Täuschung, heißt es.

Als vor einigen Wochen schon einmal Zweifel an der Echtheit des Bildes aufgekommen waren, hatte Santiago Lyon, Jurymitglied des World Press Photo Award, gesagt: "Wir sind sicher, dass die Bilder den akzeptierten Praktiken, die in dem Beruf angewendet werden, entsprechen."

kha
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