World Trade Center Die neue Ansicht von Ground Zero

Eine dramatische Glaskonstruktion, ein klobiger Turm, ein respektvoller Glitzerbau - erstmals ist ein Blick auf den kompletten Hochhauskomplex des neuen World Trade Center möglich. Jetzt wurden die präzisen Entwürfe für die Wiederbebauung des Areals präsentiert.

Von , New York


New York - Sechs Jahre hat es gedauert. Sechs Jahre der falschen Anläufe, der Rückschläge, der Intrigen und Geldverschwendung. Sechs Jahre, in denen sich New York langsam von den Terroranschlägen des 11. September 2001 erholte, während in Downtown weiter ein Loch klaffte. Nun, rechtzeitig zu den Gedenkfeiern am kommenden Dienstag, war das komplette, neue Gesicht von Ground Zero, das neue World Trade Center, im Modell zu besichtigen.

"Es war ein holpriger Weg", seufzte Immobilienmogul Larry Silverstein, der Pächter und Bauherr für den Großteil des Areals, der sich zur Feier des Tages eine knallgelbe Krawatte umgebunden hatte. "Doch jetzt könnte ich glücklicher nicht sein." Um ihn herum, im zehnten Stock von "7 World Trade Center", seines ersten neuen Wolkenkratzers an Ground Zero, scharten sich geschniegelte Vertreter mehrerer Top-Architekturfirmen und klopften sich gegenseitig auf die Schultern.

Aus den Fensterwänden fiel der Blick tief in den "pit", die Grube von Ground Zero. Noch vergangenes Jahr lag sie brach, nun herrscht hier endlich Leben: Mehr als 600 Bauarbeiter pro Tag sind inzwischen dabei, die Fundamente für die neuen Skyscraper, die Gedenkstätte und den futuristischen Großbahnhof auszuheben. An der Nordwestecke ragen drei enorme, rostfarbene Stahlträger in den Himmel. Es sind die ersten Skelettknochen des Freedom Towers.

Silverstein hatte die Kontrolle über den oft veränderten, über drei Milliarden Dollar teuren Freedom Tower voriges Jahr an die Port Authority (PA), die New Yorker Hafenbehörde, abgetreten. Er blieb jedoch weiter zuständig für die benachbarten, kleineren Bürotürme, genannt Tower 2, 3 und 4. Deren Detailentwürfe - bisher waren sie nur als grobe Designstudien bekannt - legte er gestern vor. Es war das erste Mal, dass sich eine komplette Ansicht des künftigen World Trade Center bot, das, als Zeichen der Unverwüstlichkeit wohl, genau so heißen wird wie das alte.

Insgesamt rund 120 Architekten, Designer, Ingenieure und Berater haben in einem Studio in 7 World Trade Center an den Plänen gearbeitet, mit inspirierendem Blick auf die Baugrube. Bereits nächstes Jahr soll der Freedom Tower dort Straßenhöhe erreichen. Für die anderen Türme sind innerhalb der nächsten vier Monate die Grundsteinlegungen geplant; schon jetzt haben die Aushebungen begonnen. Tower 3 und 4 sollen Mitte 2010 Richtfest feiern. Tower 2 soll Anfang 2011 folgen.

"Die ersten paar Jahre waren hart", sagte Sheldon Silver, der Sprecher des New Yorker Parlaments, gestern über den langen Hürdenlauf zur Neubebauung von Ground Zero. Zuletzt waren die Arbeiten im August durch den verheerenden Brand im alten Deutsche-Bank-Hochhaus behindert worden, bei dem zwei Feuerwehrmänner umkamen. "Doch jetzt", fügte Silver hinzu, "bewegen wir uns vorwärts - rascher und effizienter denn je."



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