Gesellschaft für deutsche Sprache "Postfaktisch" ist Wort des Jahres 2016

Im politischen Geschehen 2016 war es der prägende Begriff - nun ist er auch das Wort des Jahres: "postfaktisch". Das gab die Gesellschaft für deutsche Sprache bekannt.
Trump applaudiert: "Postfaktisch" ist Wort des Jahres.

Trump applaudiert: "Postfaktisch" ist Wort des Jahres.

Foto: Steve Pope/ AFP

"Postfaktisch" ist das Wort des Jahres 2016. Die Jury wolle damit das Augenmerk auf einen "tiefgreifenden politischen Wandel" richten, begründete die Gesellschaft der Deutschen Sprache (GfdS) die Wahl auf ihrer Webseite .

Das Kunstwort "postfaktisch", eine Übertragung des englischen Begriffes post truth, verweise darauf, dass in politischen und gesellschaftlichen Diskussionen heute zunehmend Emotionen wichtiger seien als Fakten. "Immer größere Bevölkerungsschichten sind in ihrem Widerwillen gegen "die da oben" bereit, Tatsachen zu ignorieren und sogar offensichtliche Lügen bereitwillig zu akzeptiere", heißt es in der Begründung der GfdS.

Auf den zweiten Platz wählte die Jury "Brexit". Auch das Referendum über den Verbleib Großbritanniens in der EU, das im Juni stattfand, sei ein Triumph postfaktischer Politik gewesen.

Zudem unter den Top Ten: Die Zusammensetzung "Silvesternacht", die 2016 eine neue, negative Assoziation bekam. Weitere Begriffe auf der Liste sind "Schmähkritik", "Social Bots" und "Gruselclown". Mit dem Vorwurf "schlechtes Blut" diffamierte der Türkische Präsident Erdogan türkischstämmige deutsche Bundestagsabgeordnete, die für die Armenien-Resolution gestimmt hatten. Auf dem letzten Platz landete traditionell ein "Satz des Jahres": "Oh, wie schön ist Panama", der Titel eines beliebten Kinderbuchs, bezieht sich auf die Enthüllungen um mögliche Geldwäsche und Steuerhinterziehung über Briefkastenfirmen in Panama.

Die Wörter des Jahres 2016 im Überblick:

1. postfaktisch

2. Brexit

3. Silvesternacht

4. Schmähkritik

5. Trump-Effekt

6. Social Bots

7. schlechtes Blut

8. Gruselclown

9. Burkiniverbot

10. Oh, wie schön ist Panama

2015 entschied sich die GfdS für "Flüchtlinge": In der Begründung hieß es damals, dass das Wort sprachlich von Interesse sei, da es mit dem Suffix "-ling" gebildet wird, das "für sprachsensible Ohren tendenziell abschätzig" klinge.

Die Berliner "Lichtgrenze" zum Mauerfall-Jubiläum war das Top-Wort des Jahres 2014. Den sprachlichen Nerv der Zeit hatten in den Jahren zuvor - nach dem Urteil der Jury - die Abkürzung GroKo für Große Koalition (2013), die Rettungsroutine (2012) und der Stresstest (2011) getroffen.

Die Aktion der Gesellschaft läuft seit 1977 alljährlich. Eine andere Jury aus Sprachwissenschaftlern und Journalisten kürt zudem jedes Jahr ein "Unwort".

gia/dpa