"Wut"-Diskussion MDR-Intendant wettert gegen Pleitgen

Der Ärger um den umstrittenen Film "Wut" geht in die nächste Runde. MDR-Intendant Reiter hat seinem WDR-Kollegen Pleitgen Napoleon-Allüren vorgeworfen. Er habe alle anderen als Waschlappen dastehen lassen - obwohl die Entscheidung, den Beitrag zu verschieben, einstimmig gefallen sei.


Hamburg - WDR-Chef Fritz Pleitgen hatte seinen Kollegen mangelnde Courage vorgehalten, nachdem ein Sturm der Entrüstung losgebrochen war auf die Entscheidung hin, den Film "Wut" auf einen späteren Sendetermin zu verlegen. Nun macht MDR-Chef Udo Reiter nach Informationen des SPIEGEL seinem Ärger darüber in einem Brief Luft. Er kritisiert den "Tonfall und die selbstherrliche Art", in der Pleitgen in der Sache agiere. "Die ARD ist keine Armee, und Sie sind nicht Napoleon", wettert Reiter. Die Entscheidung der Intendanten sei einstimmig gefallen. "Sich hinterher öffentlich davon zu distanzieren und sich von Journalistenkollegen als einzig Couragierten unter lauter Waschlappen feiern zu lassen ist zumindest Geschmackssache."

WDR-Intendant Pleitgen: "Selbstherrliche Art"?
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WDR-Intendant Pleitgen: "Selbstherrliche Art"?

Der WDR sei der reichste und damit mächtigste Sender der ARD. Die Verführung, "diese Macht ungeschminkt und ruppig einzusetzen", sei durchaus nachzuempfinden. "Schon Bert Brecht hat uns ja davor gewarnt, dass die Macht dem Charakter gefährlich werden kann. Aber es muss doch nicht so sein."

Das Jugenddrama "Wut" schildert die Angriffe einer türkischen Jugendgang auf einen Jungen aus gutbürgerlichen Verhältnissen. Situation eskaliert, und die Familie des Jungen und der türkische Protagonist geraten in einen Strudel aus Gewalt und Gegengewalt. Die Ausstrahlung war im September wegen der Gewaltdarstellung um zwei Tage nach hinten verschoben worden, und auch die Uhrzeit wurde von 20.15 Uhr in 22 Uhr geändert. Die ARD-Intendanten hatten dies unter anderem mit der Sorge um den Jugendschutz begründet.

ffr



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