Ausstellung "Infinity Mirrors" Punkte und Penis-Skulpturen für den Frieden

Vorsicht Selfie! Die Kunstwerke der Japanerin Yayoi Kusama gehören zu den meistfotografierten der Welt. Nun werden ihre Werke im "The Broad"-Museum in L.A. ausgestellt - mit ungewöhnlichen Regeln für die Besucher.

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Menschen lieben es, in den Kunstwelten von Yayoi Kusama Selfies zu schießen. Ihre "Infinity Mirrors", die derzeit in Los Angeles ausgestellt werden, gehören zu den meistfotografierten Kunstwerke der Welt. Menschen posten auf Instagram, wie sie in den jeweiligen Räumen stehen, und die Sängerin Adele hat dort im Rahmen der Brit Awards 2016 performt.

Weil Kusamas Räume so beliebt sind, entschlossen sich die Betreiber des Museums The Broad, jedem Gast nur 30 Sekunden pro Tag und Kunstwerk zu gewähren - fürs Fotografieren und Anschauen. An Tagen mit weniger Besucheransturm darf sogar bis zu 45 Sekunden verweilt werden.

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10  Bilder
Yaoyi Kusama in L. A.: Grüne Makkaroni-Hosen und Kürbisse

Die Räume illustrieren "das Kosmische der Welt, in der wir leben", sagte Kusama, deren Ziel nach eigenen Aussagen der Weltfrieden ist. Berühmt wurde Kusama aber zuallererst durch ihre Punkte. "Die Erde ist ein Punkt. Der Mond, der Himmel, alles ist aus Punkten gemacht", sagte sie in einem Interview mit der BBC.

Tatsächlich hatte sie sich nicht vorgenommen, Punkte auf Bilder, Kleidung und Pferde zu malen, sondern drückte so aus, was sie sah. Kusama leidet seit ihrer Kindheit an Halluzinationen, Panikattacken und einer Angststörung, die sie in Zaum halten kann, wenn sie Kunst macht.

Geboren wurde sie 1929 in eine konservative japanische Farmer-Familie. Wie andere Kinder auch musste sie auf den Feldern Pflanzen sähen. Schon damals hatte sie eine besondere Vorliebe für Kürbisse, die bis heute ein wichtiges Merkmal ihrer Kunst sind, ähnlich wie die Punkte. Ihre Eltern wollten sie früh verheiraten und versuchten, ihr die Lust auf Kunst auszutreiben. Doch Kusama beschloss, ihren Weg zu gehen. Sie studierte ein Jahr lang Malerei in Kyoto. Durch Zufall stieß sie dabei auf ein Buch über Werke der amerikanischen Malerin Georgia O'Keefe, der sie einen Brief schickte. O'Keefe ermunterte Kusama, nach New York zu kommen, und so ging sie 1957 dorthin.

Angst vor Phallussen

Sie wohnte in einem kleinen Atelier, schlief auf einer Tür und kapierte schnell, dass sie einzigartig sein musste, um bestehen zu können. Sie schuf Bilder mit Mustern darauf, die aussahen wie Gardinen. Dann machte sie Installationen. Ihre erste Galeristin Gertrude Stein erzählte der BBC, dass Kusama zu Beginn ihrer Karriere eine Badewanne schuf, voller Penis-Skulpturen - sowas hatten die New Yorker noch nie gesehen. Tatsächlich hatte Kusama Angst vor Phallussen und versuchte, sie durch Kunst zu überwinden. Als nächstes füllte sie die Böden der Galerie mit Makkaroni, über die die Ausstellungsbesucher liefen. Zu der Zeit bastelte sie auch ihre berühmten grünen Makkaronihosen, die ihren Humor illustrierten.

In den späten Sechzigerjahren designte Yayoi Kusama Kleidung, drehte einen psychedelischen Film und veranstaltete Happenings, die die sexuelle Befreiung feierten und politischen Protest ausdrückten. Sie war stadtbekannt. Nicht einmal ein Jahrzehnt später erlitt sie eine Krise und kehrte ausgebrannt nach Japan zurück. Dort kannte sie niemand, sie begann wieder bei null. Zu jener Zeit beschloss sie, in eine Nervenheilanstalt in Tokio zu ziehen, wo sie seither lebt.

Ohne großes Brimborium

Bis heute arbeitet sie Tag und Nacht. In den letzten Jahren hat sie Hunderte Bilder produziert, die die Serie "My Eternal Soul" ergeben. Mittlerweile ist sie Japans berühmteste Künstlerin. An vielen Plätzen stehen ihre Kürbisskulpturen, eine Punkte-Zeichnung erinnert an die Atombombe in Hiroshima und in ihrer Heimatstadt findet sich eine Blumenskulptur. Am 1. Oktober 2017 hat sie ihr Tokio Museum eröffnet, in der Nähe der Nervenheilanstalt. Das "Yayoi Kusama Museum" zeigt eine große Sammlung ihrer Werke und soll ein Geschenk an ihre Fans sein. In der Kunstwelt gilt Kusama als eine der wirklich einzigartigen Künstlerinnen des 20. und 21. Jahrhunderts. Doch nicht jeder Fan findet die richtige Form für seine Bewunderung. Im Februar wurde im Hirshhorn Museum sogar eine Kusama-Kürbisskulptur zerschlagen - eventuell war der unerfüllte Wunsch nach einem Selfie schuld.


"Infinity Mirrors", vom 21. Oktober 2017 bis zum 1. Januar 2018, "The Broad", Los Angeles.

bsc

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nadennmallos 29.10.2017
1. Hoppla, Roy Lichtenstin lässt grüßen .....
"Die Räume illustrieren "das Kosmische der Welt, in der wir leben", sagte Kusama, deren Ziel nach eigenen Aussagen der Weltfrieden ist. Berühmt wurde Kusama aber zuallererst durch ihre Punkte. "Die Erde ist ein Punkt. Der Mond, der Himmel, alles ist aus Punkten gemacht", sagte sie in einem Interview mit der BBC." Ah, da fält mir noch was ein: Im Pointilismus gab's das auch schon so ähnlich, nur hübscher (Gaaaanz subjektive Ansicht!!).
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