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23. Oktober 2008, 15:36 Uhr

ZDF-Aus für Elke Heidenreich

Reich-Ranicki findet Rauswurf "naheliegend"

Erst stellte er sich schützend vor Thomas Gottschalk, jetzt zeigt er Verständnis für das ZDF: "Naheliegend" findet Marcel Reich-Ranicki den Rauswurf Elke Heidenreichs. Die Moderatorin hatte als Reaktion auf seine Fernsehkritik ihren Arbeitgeber ZDF schwer angegriffen.

Frankfurt/Main - "Sie hat gesagt: Ich schäme mich, dass ich für diesen Sender arbeite. Aber dann musste man ihr sagen: 'Adieu, Sie brauchen sich nicht mehr zu schämen'", sagte Marcel Reich-Ranicki am Donnerstag. Der 88-Jährige zeigte damit Verständnis für die Entscheidung des ZDF, die Zusammenarbeit mit der "Lesen!"-Moderatorin zu beenden.

Literaturkritiker Reich-Ranicki: Heidenreich-Rauswurf "naheliegend"
DPA

Literaturkritiker Reich-Ranicki: Heidenreich-Rauswurf "naheliegend"

Das ZDF hatte nach Heidenreichs harter Kritik am Sender und am Fernsehen generell angekündigt, die beiden für dieses Jahr noch geplanten Ausgaben der Literatursendung "Lesen!" nicht mehr zu produzieren.

Heidenreich hatte in einem Beitrag für die "FAZ" den Ablauf der Gala zur Verleihung des Deutschen Fernsehpreises beklagt und geschrieben, sie schäme sich, beim ZDF zu arbeiten. Marcel Reich-Ranicki hatte während der Verleihung den Preis für sein Lebenswerk zurückgewiesen.

Heidenreich schrieb dazu in der "FAZ": "Ich dachte, was für eine Zumutung diese armselige, grottendumme Veranstaltung für ihn sein müsse." Und weiter: "Man schämt sich, in so einem Sender überhaupt noch zu arbeiten. Von mir aus schmeißt mich jetzt raus, ich bin des Kampfes eh müde."

Reich-Ranicki sagte, Heidenreichs Äußerungen seien für das ZDF "schwer akzeptabel" gewesen, die Kündigung der Zusammenarbeit habe ihn daher nicht überrascht. Über mögliche Nachfolger wollte der frühere Moderator der ZDF-Literatursendung "Das Literarische Quartett" nicht spekulieren: "Das werde ich dem ZDF gerne sagen, wenn das ZDF sich an mich wendet."

Der 88-Jährige betonte nochmals, dass sich seine kritische Rede bei der Preisverleihung allein auf die Feier und nicht auf das deutsche Fernsehprogramm insgesamt bezogen habe.

"Ich habe nicht gesagt, alles im deutschen Fernsehen ist abscheulich, ist Mist, ist nicht gut. Ich habe gesagt: Die hier stattfindende, stattgefundene Feier war ganz schlimm und nicht akzeptabel." Das sei ein großer Unterschied. Reich-Ranicki stellte klar: "Ich habe nicht den Krieg führen wollen mit den Sendern."

ber/dpa

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