ZDF-Erfolgsformat "Die Deutschen" Guido Knopp will nachlegen

Wer sind wir? Diese ewige Frage nach dem Kern der deutschen Identität beschert dem ZDF derzeit Spitzenquoten. Noch bevor die letzte Folge der Erfolgsserie "Die Deutschen" ausgestrahlt ist, denkt der Sender daher über ein Anschlussformat nach.


Hamburg - Guido Knopp gilt ja einigen deutschen Fachhistorikern ein wenig als ein Schlingel, dessen Geschäft vorrangig aus seichtem Histotainment besteht.

Szene aus der ZDF-Serie "Die Deutschen": Quotenrenner aus Guido Knopps Geschichtsküche
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Szene aus der ZDF-Serie "Die Deutschen": Quotenrenner aus Guido Knopps Geschichtsküche

Knopps lange Zeit eher monothematisch ausgerichtete Reihen - er verantwortete etwa "Hitlers Helfer" (zwei Serien), "Hitlers Krieger", "Hitlers Frauen" und "Sie wollten Hitler töten" - brachten dem Chefhistoriker des ZDF zudem ernsthafte Kritik ein: Die von den Deutschen verursachte Nazi-Katastrophe werde durch die eingespielten Zeitzeugen-Leidensgeschichten allzu oft entpolitisiert, lautete etwa ein häufig geäußerter Vorwurf.

Andererseits stimmte stets die Quote für Knopps Geschichtsfernsehen. Und so wagte er sich jüngst an das - kulturgeschichtlich gesehen - große Ganze. Mit der zehnteiligen ZDF-Serie "Die Deutschen" versuchte Knopp, die deutsche Nationwerdung bildschirmkompatibel aufzubereiten.

Die Arbeiten an den 45-Minuten-Filmen dauerten rund vier Jahre, gedreht wurde in Rumänien, auf Malta und - natürlich - in Deutschland (etwa in Schloss Sanssouci oder am Dresdner Elbufer). Im Gegensatz zu den Hitler-Serien und dem Knopp-Format "History" mussten die Macher allerdings auf Rollenspiele mit Schauspielern zurückgreifen, denn um Zeitzeugen und Filmmaterial aus dem Archiv ist es ja nicht so gut bestellt, wenn man sich Figuren wie Martin Luther und Barbarossa nähern will.

Doch der Aufwand zahlte sich aus: Im Schnitt sahen mehr als fünf Millionen Zuschauer jede Folge. Und die neunte Episode - die sich Otto von Bismarck widmete - verfolgten am Sonntag immerhin 5,82 Millionen. Auch die Akzeptanz unter den jüngeren Zuschauern war recht hoch.

Daher denkt das ZDF jetzt über ein Anschlussprojekt für die TV-Geschichtsreihe nach. Das bestätigte Knopp, offiziell Redaktionsleiter Zeitgeschichte des Senders, am Montag in Hamburg. "Die große Publikumsresonanz ist eine ideale Steilvorlage für uns, neue Themen ins Auge zu fassen", sagte er. "Die deutsche Geschichte ist reich an Facetten."

Einzelheiten dazu verriet Knopp allerdings nicht, war aber so aufrichtig, nicht nur die Qualität seiner Sendung zu loben, sondern - neben dem interessanten Themenkomplex - auch auf die Programmierung des Zehnteilers zu verweisen; sonntags um 19.30 Uhr und dienstags um 20.15 Uhr sind ja nicht die schlechtesten Sendeplätze, um eine hohe Quote einzufahren.

Die letzte Folge an diesem Dienstag trägt übrigens den Titel "Wilhelm und die Welt". Sollte das ZDF also tatsächlich an diese Serie anschließen wollen, dürfte Knopp schon aus rein chronologischen Gründen sehr schnell wieder bei altbekannten Themen landen.

tdo/ dpa



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