Fusion bei Springer "B.Z." und "Bild"-Berlin verschmelzen

Der Springer-Verlag legt die Redaktion der "Bild"-Berlin mit der des Boulevardblatts "B.Z." zusammen, 50 Stellen fallen dadurch weg. Verschwindet damit auch die Eigenständigkeit des Hauptstadt-Titels?
Berliner Ausgabe der "Bild": Regionale Fusion mit der "B.Z."

Berliner Ausgabe der "Bild": Regionale Fusion mit der "B.Z."

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Hamburg/Berlin/Frankfurt am Main - Eigenen Angaben zufolge geht der Verlag in eine "digitale Offensive". So lautet jedenfalls die öffentliche Sprachregelung für diese Maßnahme: Die Axel Springer AG fusioniert die Redaktion des Berliner Boulevardblatts "B.Z." mit der Berliner Regionalredaktion der "Bild"-Zeitung.

"Die 'B.Z.' und 'Bild-Berlin' sollen ab November 2013 in einer gemeinsamen Redaktion produziert werden," heißt es in der Mitteilung  des Verlags vom Mittwoch, alle Mitarbeiter der "B.Z." zögen vom Kurfürstendamm ins Axel-Springer-Haus. Die Online-Bereiche der beiden Titel würden komplett zusammengeführt, dennoch sollen sie ihre publizistische Eigenständigkeit behalten, betont der Verlag.

Dass "Bild"-Chef Kai Diekmann, der seinem Blatt zu einem Imagewandel verhelfen will, zusätzlich bei der "B.Z." die Funktion des Herausgebers übernimmt, lässt allerdings Zweifel an eben dieser Beteuerung aufkommen, selbst wenn "B.Z."-Chefredakteur Peter Huth Stellvertreter von Diekmann bei der "Bild" wird.

Die Fusion der Redaktionen kommt nicht unerwartet - und hat auch Personalabbau zur Folge. Nach Angaben eines Sprechers fallen durch die Zusammenlegung rund 50 Stellen weg, beide Redaktionen seien davon betroffen. Insgesamt sind bei der "Bild"-Gruppe nach SPIEGEL-Informationen bis zu 200 Stellen bedroht.

Aktuelle Analyse: gedruckte Zeitungen verlieren weiter

Die "B.Z." verkauft laut IVW im zweiten Quartal 2013 nur noch 129.070 Ausgaben täglich. Das entspreche im Vergleich zum Vorjahresquartal einem Auflagenverlust von etwa zehn Prozent, schreibt der Branchendienst Meedia und spekuliert, dass der Grund für die Zusammenlegung der Redaktionen vermutlich auch darin liegen dürfte, dass die "B.Z." mittelfristig allein nicht überlebensfähig  sei.

Die Verluste der "B.Z." sind allerdings Teil einer allgemeinen Entwicklung. Auch insgesamt werden gedruckte Zeitungen von immer weniger Menschen gelesen, wie aus einer am Mittwoch in Frankfurt am Main veröffentlichten Media-Analyse hervorgeht. Der repräsentativen Studie zufolge informieren sich noch rund 45,5 Millionen Menschen täglich durch eine gedruckte Zeitung, das entspricht einem Rückgang um mehr als eine Million Leser. Im Vorjahr hatten noch 46,8 Millionen Umfrageteilnehmer angegeben, täglich die Printausgabe einer Zeitung zu lesen.

In der Analyse wurden insgesamt knapp 137.000 Menschen ab 14 Jahren nach ihrer Print-Lektüre gefragt. Bei der jährlichen Media-Analyse wird die Zahl der Leser untersucht, nicht die Auflage eines Verlages.

bos/dpa
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