Zentrum für politische Schönheit Künstler bitten für Mahnmal-Installation um Entschuldigung

Eine Installation, in der Asche von Holocaust-Opfern verarbeitet worden sein soll: Seit Montag hatte eine Aktion des ZPS zu Kontroversen geführt. Nun bitten die Künstler um Entschuldigung.
Die Mahnmal-Installation des ZPS: "Sucht nach uns!" lautet der Name der Aktion

Die Mahnmal-Installation des ZPS: "Sucht nach uns!" lautet der Name der Aktion

Foto: Christophe Gateau/ DPA

"Es tut uns leid!" ist in großen Lettern unter anderem auf der Homepage  des Zentrums für politische Schönheit (ZPS) zu lesen. Es folgt dort eine ausführliche Stellungnahme. "Wir bedauern aufrichtig, dass wir den zentralen Wirkungsaspekt unserer Arbeit nicht im Vorfeld erkannt haben", ist dort unter anderem zu lesen.

Damit reagieren die Aktivisten rund um den Gründer Philipp Ruch auf die teils heftige Kritik, die ihnen nach der Aufstellung einer Installation am Montag unweit des Reichtages in Berlin entgegengeschlagen war. In der Säule hatten die Künstler nach eigenen Angaben Asche von Holocaust-Opfern eingearbeitet, Ziel der Aktion war laut ZPS, vor einem Erstarken des Faschismus zu warnen.

Daraufhin war der Gruppe unter anderem Pietätlosigkeit vorgeworfen worden sowie eine Instrumentalisierung der Opfer - unter anderem, weil das jüdische Religionsgesetz die Feuerbestattung verbietet und vorsieht, einen Leichnam respektvoll zu behandeln und vollständig zu begraben. Dem laufe die Aktion zuwider, so eine häufige Kritik.

In der Stellungnahme schreiben die Künstler jetzt, sie hätten durchaus damit gerechnet, die Gefühle der Menschen aufzuwühlen. "Dennoch lag uns nichts ferner, als die religiösen und ethischen Gefühle von Überlebenden und Nachkommen der Getöteten zu verletzen. Wir wollen bei Betroffenen, Angehörigen und Hinterbliebenen aufrichtig um Entschuldigung bitten, die wir in ihren Gefühlen verletzt haben."

Das Künstlerkollektiv kündigte an, das Kernstück der Säule zu verhüllen, "um dem Eindruck der 'Zurschaustellung' zu begegnen". Auch die ebenfalls heftig kritisierte Crowdfunding-Seite für die Aktion werde abgeschaltet, eine für Samstag angekündigte Aktion sei abgesagt.

Zugleich erläuterte das ZPS erneut sein Anliegen. "Wir wollen auf die Verantwortung der Nachwelt hinweisen, die identifizierten Massengräber wenigstens als solche zu deklarieren, zu markieren und zu schützen." Die Aktivisten wiesen auch auf die spezielle Verantwortung der Bundesrepublik Deutschland hin, die bestehenden Gedenkstätten im In- und Ausland finanziell zu unterstützen, "damit sie ihre Aufgabe des Erinnerns und Mahnens nach besten Möglichkeiten erfüllen können".

Das Zentrum für politische Schönheit ist in den vergangenen Jahren mehrfach mit Aktionen aufgefallen, die für Diskussionen sorgten. So hatte es etwa vor gut zwei Jahren eine Nachbildung des Berliner Holocaust-Mahnmals in Nachbarschaft des Wohnhauses von AfD-Politiker Björn Höcke in Thüringen aufgestellt.

brs