Kritik an ZPS-Kunstaktion "Instrumentalisierung der Opfer"

Das "Zentrum für politische Schönheit" ist für seine jüngste Aktion heftig kritisiert worden. Das Künstlerkollektiv hatte in einer Mahnmal-Installation angeblich Asche von Holocaust-Opfern eingearbeitet.

Ein Säule, die Asche von KZ-Opfern enthalten soll
Christophe Gateau/ DPA

Ein Säule, die Asche von KZ-Opfern enthalten soll


Auch als Warnung an die Unionsparteien vor einer Zusammenarbeit mit der AfD wollte das Künstlerkollektiv Zentrum für politische Schönheit (ZPS) das Mahnmal unweit des Reichtags in Berlin verstanden wissen. Doch die Aktion "Sucht nach uns!" löst auch starke Kritik aus. So stellte der Grünenpolitiker Volker Beck Strafanzeige gegen das vom ZPS als "Widerstandssäule" bezeichnete Mahnmal, das nach Angaben des Künstlerkollektivs Asche von Holocaust-Opfern enthalte.

"Falls es sich tatsächlich um die Asche von in der Shoah Ermordeten handeln sollten, wäre dies eine strafbare Verletzung der Totenruhe. (§ 168 StGB). Dies behaupten die Aktivisten vom Zentrum für Politische Schönheit (ZPS)", twitterte Beck.

Auch der Publizist und Mitherausgeber der Zeitschrift "Jalta - Positionen zur jüdischen Gegenwart" Max Czollek beteiligte sich an den Diskussionen in den sozialen Netzwerken. Er kritisierte unter anderem eine Fundraising-Aktion, die Teil des Projekts ist. Für 50 Euro kann man einen Würfel aus dem Denkmal erwerben.

Czollek wies auch darauf hin, dass sich jüdische Stimmen überwiegend entsetzt über die Aktion äußerten - so etwa die Bloggerin Lila aus dem Norden Israels, deren Beitrag viral ging:

Meron Mendel, israelischer Pädagoge und Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, verwies darauf, dass nach jüdischem Gesetz Leichenteile nur auf jüdischen Friedhöfen bestattet werden dürfen. Er sprach von einer "Instrumentalisierung der Opfer":

Der Journalist Johannes C. Bockenheimer rief in Erinnerung, dass im Holocaust die Verachtung der deutschen Täter für ihre jüdischen Opfer noch über den Tod hinaus gegangen sei, indem die Deutschen die Leichnamen der Juden verbrannten. "Jetzt, Jahrzehnte später, halten es ein paar Enkel der deutschen Täter für eine opportune Idee, die Asche, der Juden, die zu Lebzeiten und auch danach misshandelt wurden, wieder auszugraben und für eine politische Aktion zu vereinnahmen."

Christoph Heubner, Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees, hatte die Aktion bereits unmittelbar nach Bekanntgabe heftig kritisiert: "Auschwitz-Überlebende sind bestürzt darüber, dass mit diesem Mahnmal ihre Empfindungen und die ewige Totenruhe ihrer ermordeten Angehörigen verletzt werden."

Unterstützung von Lea Rosh und Götz Aly

Unterstützung hingegen gab es von Lea Rosh. Die Initiatorin des monumentalen Stelenfelds in Berlin bezeichnete die Aktion auf Anfrage des SPIEGEL "tiefer, als unser Holocaustmahnmal es ist". Sie sei "bewegt und angefasst" von der Idee und ihrer Ausführung: "Es ist unglaublich."

Sympathie äußert auch der Historiker und Holocaust-Forscher Götz Aly: "Das Thema der Verwertung der Ermordeten ist unendlich lange tabuisiert worden", sagte er dem SPIEGEL. Aly erinnert sich, wie Rosh auch, bei früheren Besuchen der Vernichtungslager bereits die Omnipräsenz menschlicher Überreste bemerkt zu haben: "Wir standen auf der Asche. Das war kein natürlicher Waldboden. Da kamen bei Regen weiße Knochensplitterchen heraus."

Am Montagmorgen hatte das Künstlerkollektiv die Installation auf dem Gelände der ehemaligen Krolloper errichtet - dort, wo die Reichstagsabgeordneten im März 1933 für das Ermächtigungsgesetz stimmten, eine wichtige Grundlage für die Diktatur der Nationalsozialisten. "Es geht um die letzte deutsche Diktatur und darum, ob sie uns wieder droht", hatte ZPS-Gründer Philipp Ruch am Montag gesagt.

Das Zentrum für politische Schönheit ist in den vergangenen Jahren mehrfach mit Aktionen aufgefallen, die für Diskussionen sorgten. So hatte es etwa vor gut zwei Jahren eine Nachbildung des Berliner Holocaust-Mahnmals in Nachbarschaft des Wohnhauses von AfD-Politiker Björn Höcke in Thüringen aufgestellt.

brs/dpa



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