Zentrum gegen Vertreibung "Berlin nicht der richtige Ort"

Im Streit um die Errichtung einer Vertriebenen-Gedenkstätte in Berlin versagt Bundeskanzler Gerhard Schröder den Initiatoren seine Unterstützung. Berlin sei nicht der richtige Standort, eine europäische Lösung müsse her.


 "Debatte europäisieren": Schröder gegen Vertriebenen-Gedenkstätte in Berlin
DER SPIEGEL

"Debatte europäisieren": Schröder gegen Vertriebenen-Gedenkstätte in Berlin

Berlin - In dem seit Wochen laufenden Streit um das "Zentrum gegen Vertreibung" sprach sich der Bundeskanzler klar gegen eine Lösung in Berlin aus. Er halte nichts davon, weil der Standort Berlin Gefahr liefe, "allzu einseitig das Unrecht, das Deutschen widerfahren ist, in den Vordergrund der Debatte über Vertreibungen zu stellen und dabei zu sehr auszublenden, welches die historischen Ursachen sind".

Niemand könne bestreiten, dass dies mit dem deutschen Faschismus zusammenhänge, weil er sonst Geschichtsklitterung betriebe, sagte Schröder. Er sprach sich dafür aus, die Debatte über das geplante Zentrum zu europäisieren. Er rate den Initiatoren, noch einmal nachzudenken, ob Berlin "wirklich der richtige Ort wäre".

Der Bund der Vertriebenen (BdV) fordert schon lange ein Vertriebenen-Zentrum. Die BdV-Präsidentin Erika Steinbach (CDU) hält ungeachtet aller Kritik am Standort Berlin fest, für das Zentrum habe sie bereits Spenden in nach eigenen Angaben "siebenstelliger Höhe" gesammelt. Der aus Böhmen stammende SPD-Politiker Peter Glotz unterstützt die Pläne des BdV, auch Innenminister Otto Schily zeigt sich gerne an der Seite von Präsidentin Steinbach.

Der SPD-Außenpolitiker Markus Meckel initiierte derweil ein Manifest, das die Steinbach-Pläne als "vorwiegend nationales Projekt" kritisiert, das "Misstrauen bei den Nachbarn" hervorrufe. Neben den Nobelpreisträgern Günter Grass und Imre Kertés unterschrieben mehrere hundert Künstler Meckels Manifest. Schriftsteller aus Polen, Tschechien und Deutschland sprachen sich ebenfalls für ein europäisches Zentrum aus. Als Standort wurde Breslau genannt worden.



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