Zoff im ZDF-Fernsehrat Unionsmehrheit blockt Resolution zu Brender ab

Die Fronten im ZDF-Fernsehrat verhärten sich: Mitglieder des Kontrollgremiums haben sich einen heftigen Schlagabtausch über den staatlichen Einfluss beim Sender geliefert. Ein Vorstoß der SPD, die Ablehnung von Chefredakteur Nikolaus Brender zu rügen, scheiterte an der Unionsmehrheit.

Neuer ZDF-Chef Frey: Auf ihn kommen schwere Zeiten zu
ddp

Neuer ZDF-Chef Frey: Auf ihn kommen schwere Zeiten zu


Mainz - Die Nachfolge ist geregelt, doch der Streit geht weiter: Seit Donnerstag steht der neue Mann an der Spitze des ZDF fest. Peter Frey löst Nikolaus Brender im April 2010 als Chefredakteur ab. Die Frage, wie stark Parteien auf die Führung eines öffentlich-rechtlichen Senders Einfluss nehmen dürfen, bleibt offen.

Am Freitag ging es im ZDF-Fernsehrat in die nächste Runde. Unions- und SPD-nahe Mitglieder lieferten sich eine heftige Auseinandersetzung. Grund war der Wunsch der Sozialdemokraten, die Entscheidung gegen Brender zu rügen - und die vom rheinland-pfälzischen Ministerpräsident Kurt Beck vorgeschlagenen Änderungen des Staatsvertrages zu begrüßen. Demnach sollte die Position des Intendanten gestärkt, die Macht der Parteien eingeschränkt werden.

In der 90-minütigen Debatte habe es 28 Wortmeldungen gegeben, sagten Teilnehmer der Sitzung zu SPIEGEL ONLINE. Am Ende wurde der SPD-Vorstoß abgelehnt. Die Unionsleute hätten dies damit begründet, dass die Debatte endlich beendet werden müsste, weil sie dem ZDF schade.

Für die Genossen ein vorgeschobenes Argument: "Die Schwarze Front war geschlossen", ätzte ein Mitglied. Am Ende habe der Fernsehrat eine "nichtssagende Resolution" verabschiedet. Darin heißt es, der ZDF-Verwaltungsrat habe seine Entscheidungen auf der Basis des Staatsvertrages getroffen. Eventuelle Änderungen an diesem Vertragswerk seien Aufgabe der Länder.

Der Vorsitzende des Fernsehrats, Ruprecht Polenz (CDU), sprach von einer intensiven und sachlichen Debatte in dem Gremium. Der Fernsehrat habe die Entscheidung für Frey zur Kenntnis genommen. Aus seiner Sicht sei die Personaldiskussion damit abgeschlossen, und er wolle sie nicht neu beginnen. Die 77 Mitglieder des Gremiums stammen zu über 90 Prozent aus den Landesregierungen oder werden von ihnen berufen.

Auf den neuen Chefredakteur kommen schwere Zeiten zu. Frey selbst sagte am Donnerstag, es sei seine die Hauptaufgabe, "die Glaubwürdigkeit des Senders, die in der öffentlichen Wahrnehmung gelitten hat, wiederherzustellen". Man werde sich wieder auf den Kern konzentrieren: ein informatives, relevantes und innovatives Programm zu machen, das die Vielfalt der Gesellschaft widerspiegele.

Neuer ZDF-Chefredakteur Peter Frey
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Buchautor, Blogger, Fernsehjournalist
Zum 1. April 2010 wird Frey neuer Chefredakteur des ZDF. Frey hat eine Tochter und gilt als Mann des Ausgleichs, mit dem alle großen Parteien in seiner neuen Funktion leben können.

Erfahrungen im Mediengeschäft sammelte der 52-jährige Katholik aus dem rheinland-pfälzischen Bingen am Rhein bereits reichlich. Schon während des Studiums der Politikwissenschaft, Pädagogik und spanischen Philologie in Mainz und Madrid arbeitete Frey ab 1978 für den Südwestdeutschen Rundfunk und die "Frankfurter Rundschau". Zum ZDF kam er 1985.

Zunächst war er Redakteur und Reporter für das "heute journal", berichtete aus Mexiko, Nicaragua, Polen und Spanien. Später wurde er Korrespondent und stellvertretender Leiter des Büros in Washington. Von 1992 an baute der Journalist das ZDF-Morgenmagazin mit auf. Zurück in der Zentrale in Mainz leitete Frey von 1998 an die Hauptredaktion Außenpolitik und moderierte das "Auslandsjournal".

Im September 2001 übernahm Frey das Hauptstadtstudio, das er bis heute leitet. Nebenher schrieb er Bücher und bloggte gelegentlich im Internet. Nur fürs Twittern scheint er sich nicht zu begeistern: "Bei 140 Zeichen bleibt mir manche Differenzierung im Halse stecken", sagte er zur Begründung einst in einem Interview.

cte/AP

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Seite 1
saul7 26.11.2009
1. Das
Zitat von sysopDer Streit um den ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender dauert an und wirft erneut die Frage auf: Nimmt die Politik zu viel Einfluss auf die öffentlich-rechtlichen Medien?
muss eindeutig mit einem Ja beantwortet werden, wie die Vorgänge um Brender zeigen. Journalisten sind zur Berichterstattung über Politiker verpflichtet, und eine Zensur durch Politiker schränkt die Pressefreiheit auf unzulässige Weise ein. Politiker raus aus den Aufsichtsgremien der ÖR!!
fintenklecks 26.11.2009
2. Den falschen Einfluss.
Zitat von sysopDer Streit um den ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender dauert an und wirft erneut die Frage auf: Nimmt die Politik zu viel Einfluss auf die öffentlich-rechtlichen Medien?
Früher ging es auch darum, möglichst eine Vielfalt in den Medien anzubieten. Heute geht es nur noch darum, den Bockmist und die Welt schönzureden, Zensur durchzusetzen und eine Meinungsmachekultur zu installieren. Fernab von Vernunft und Sachlichkeit. Solche Politik brauchen wir nicht in den Medien. Im Gegenteil; die Medien müssen verstärkt die Politik kontrollieren. Sonst ist das Gleichgewicht der Mächte in unserer Demokratie nicht mehr gegeben. Es muss wieder Möglichkeiten geben, Skandalöse Politiker zu entlarven und sie für ihre Schäden am dt. Volk auch rechtskräftig zu verurteilen.
haltetdendieb 27.11.2009
3. So sympathisch ich die CDU auch teilweise finde...
....jetzt ist Schluss mit lustig - die wähle ich nicht mehr! Selbst Schuld Ihr CDU-Deppen! (Granden wäre doch ein zu niedliches Wort) Und GEZ zahle ich ab sofort áuch nicht mehr!
JensDD 27.11.2009
4. Das ist alles völlig in Ordnung
Zitat von sysopDer Streit um den ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender dauert an und wirft erneut die Frage auf: Nimmt die Politik zu viel Einfluss auf die öffentlich-rechtlichen Medien?
schon vor vier Jahren wollte Frau Merkel "ordentlich durchregieren" - jetzt tut sie es, mit everybodys darling als neuen Rommel-Darsteller. Und Herr Koch wird uns in Zukunft den neuen Bundesminister für Volksaufklärung und Information liefern - von Propaganda sprechen wir lieber nicht mehr ;-)
DerBlicker 27.11.2009
5. ach auf einmal?
Zitat von sysopDer Streit um den ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender dauert an und wirft erneut die Frage auf: Nimmt die Politik zu viel Einfluss auf die öffentlich-rechtlichen Medien?
Jahrzehntelang hat sich niemand daran gestört, dass WDR und NDR Rotfunk waren und ZDF und BR Schwarzfunk. Was ist denn daran bitte neu??
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