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Gestorben Gerd Schulte-Hillen, 80

aus DER SPIEGEL 32/2021

Einmal hatte »Geo« die Diätprodukte von Unilever verrissen. Der Lebensmittelkonzern rächte sich mit einem Anzeigenboykott bei der Schwesterzeitschrift »Stern«. Gerd Schulte-Hillen, als Vorstandschef von Gruner + Jahr (G + J) Herr über beide Blätter, bestellte »Geo«-Chefredakteur Werner Funk ein, ließ sich bestätigen, dass der Artikel ordentlich recherchiert war, um hernach »in jenes helle, etwas meckernde und ansteckende Lachen« auszubrechen, das ihn auszeichnete, so Funk. Schulte-Hillen stand für die goldenen Jahre des Magazinjournalismus.

Aus: DER SPIEGEL 32/2021

Letzte Warnung

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Wie kaum ein Zweiter prägte er den Hamburger Verlag G + J, der auch am SPIEGEL beteiligt ist; unter seiner Führung stieg G + J zum größten Zeitschriftenverlag Europas auf. In seine Ära fiel jedoch auch die größte Schmach des »Stern«: die Affäre um die gefälschten Hitler-Tagebücher.

Schulte-Hillen hatte das Projekt von seinem Vorgänger übernommen, und als der verantwortliche »Stern«-Reporter Gerd Heidemann wieder einmal eine Million Mark brauchte, unterzeichnete Schulte-Hillen einfach. Er habe geglaubt, sich »auf diejenigen verlassen zu können, die von Anfang an in die Sache eingeschaltet waren«, gab er später vor Gericht an. Schulte-Hillens Karriere bei Bertelsmann hatte 1969 begonnen, 1981 übernahm er den Chefposten bei der Konzerntochter G + J, 2000 wechselte er in den Aufsichtsrat.

Häufig vertrat er andere Meinungen als Bertelsmann, wo er ebenfalls im Vorstand saß, sogar Matriarchin Liz Mohn kritisierte er: Sie habe zu viel zu sagen. Seine Zeit in dem Gütersloher Unternehmen endete 2003. Später arbeitete er unter anderem für eine Finanzgruppe um den britischen Investor David Montgomery, der damals die »Berliner Zeitung« übernommen hatte – vormals im Besitz von G + J. Gerd Schulte-Hillen starb am 4. August.

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