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Getto-Drama auf der Bühne

aus DER SPIEGEL 47/1989

Eine alte Frau in Tel Aviv erinnert sich daran, was sie als 19jähriges jüdisches Mädchen 1943 im Getto Wilna erlebt hat: In diese Rahmenhandlung hat der israelische Dramatiker Joshua Sobol, 50, sein Stück »Adam« eingebettet, das in der Regie von David Mouchtar-Samorai gerade seine deutsche Erstaufführung am Bonner Stadttheater erlebt hat. Thematisch knüpft »Adam« unmittelbar an »Ghetto« (1984) an; wie dem älteren, liegen auch dem neuen Stück historische Recherchen zugrunde. Die Titelfigur ist Itzig Wittenberg nachgebildet, dem Führer der KP-Fraktion im Widerstand des Gettos. Der abgründige Sadismus der Nazi-Schergen und die unmenschlichen moralischen Konflikte, denen sich die gegeneinander ausgespielten Häftlinge ausgesetzt sehen, stehen im Mittelpunkt des in Israel umstrittenen Stücks. Das Echo der Kritik ist zwiespältig: Während die Frankfurter Rundschau dem Bonner Ensemble »eine Spitzenleistung« bescheinigt, erscheint der taz die Darbietung einiger Schauspieler »so laienhaft, daß man das Papier ihres Textes rascheln hört«. Kommende Woche hat »Adam« auch in Wuppertal Premiere.

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