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Am Rande Getunte Schwurbelwelle

aus DER SPIEGEL 47/1998

Die Anschaffung eines Personenkraftwagens mit Otto-Motor ist eine harte Prüfung für den technischen Sachverstand: Grüblerisch vertieft sich der Kraftfahrer in Hubraum-Daten oder die Details elektronischer Navigationssysteme. Neuerdings aber braucht ein profitables Produkt nicht nur ein solides Chassis, sondern auch einen hohlraumversiegelten Überbau. In der Werbebroschüre für den neuen VW-Lupo beispielsweise heißt es, das Wolfsburger Wölfchen »strahlt Ehrlichkeit aus« und imponiere mit einem »Pumpe-Düse-Einspritzverfahren«. Weil dieses Eigenlob nur prosaische Geister zufriedenstellen kann, dürfen sodann führende Kräfte der deutschen Lifestyle-Publizistik zur Hymne auf das kleinwüchsige Transportmittel ansetzen. Und wer reckt in der Pole-Position des Autorenpulks sein verkahltes Haupt? Matthias Horx, das Drei-Liter-Modell der Zukunftsforschung. Der Lupo, jauchzt er, erfülle alle »Bedürfnisse nach Wellness und Cocooning«. Das Auto sei ein Lichtblick unserer Zukunft, die »modular sein wird«. Dunkel raunt das Horxsche Orakel: »Technik zum Mobilwerden ist zum Zusammenfalten und Querparken da.« Werte Herren in Wolfsburg! Natürlich müssen auch die Endverbraucher aus dem Kulturbetrieb den Lupo für eine total ehrliche Haut halten und über die »bedienungsfreundliche Frontklappe mit Gasdruckfeder« frohlocken. Aber warum zur Schwurbelwelle lockt Ihr das mobile Groß-Modul Horx aus seinem angestammten Cocooning-Center, dem Windkanal? Dessen Gedüse jedenfalls schlägt uns entschieden auf die Gedankenpumpe.

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