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ARCHITEKTUR »Glasfassaden sind monoton«

Der Architekt Hans-Ulrich Zöllner, 42, Sprecher des Bundes Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure (BDB) in Hamburg, über seine Aversion gegen die Ästhetik von Glas- und Stahlbauten
aus DER SPIEGEL 18/2004

SPIEGEL: Herr Zöllner, Sie wettern öffentlich gegen Kollegen, die derzeit gern Stahl- und Glasbauten entwerfen. Was haben Sie gegen diese Ästhetik?

Zöllner: Ich wettere nicht gegen Kollegen, ich gucke mir die Stadt an, in der ich lebe - also Hamburg -, und stelle fest, dass sie ihr typisches Gesicht verliert. Viele der Glas-Stahlbauten, die hier in letzter Zeit entstanden sind, könnten in jeder anderen Stadt stehen - und das ist doch schade.

SPIEGEL: Das klassische Argument der Vertreter von Glas-Stahl-Architektur lautet: Die traditionellen Häuser könnten sich in der Glasfassade spiegeln, das moderne Gebäude schaffe damit eine Verbindung zum älteren.

Zöllner: Das ist ein sehr schönes und ein sehr wichtiges Argument, aber wir haben doch inzwischen schon den Effekt, dass sich in den neuen Glasfassaden nichts Altes mehr spiegelt, weil es drum herum auch nur noch Glasfassaden gibt. Es wird hier eine Monokultur geschaffen, die nicht mehr reizvoll ist.

SPIEGEL: Moderne Architekten stehen unter dem Druck der Investoren. Sie sollen preisgünstige Fassaden ohne kostspielige handwerkliche Details entwerfen, die zugleich eine interessante Struktur aufweisen. Das lässt sich bei Glasfassaden am leichtesten realisieren.

Zöllner: Schön wär's: Die Glasfassaden haben heute doch oft gar keine Struktur mehr, sondern sehen ewig gleich aus. Sie werden monoton wie eine Tapete um Grundstücksgrenzen gewickelt, damit eine möglichst große Baumasse entsteht - um kreative Ästhetik geht es da doch gar nicht. Ich hingegen wünsche mir eine frischere, abwechslungsreichere Architektur und Kollegen, die sich wieder trauen, ganz unterschiedliche Strukturen und Baumaterialien einzusetzen.

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