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FILM Glasiger Blick

aus DER SPIEGEL 47/1971

Willard (USA, Farbe). Ben und Sokrates sind die einzigen Freunde, die dem Jungkaufmann Willard Stiles (Bruce Davison) nach dem Tod seiner lahmen Mutter geblieben sind; er hat sie ständig um sich. Sie schlafen in seinem Zimmer, begleiten ihn ins Büro und hören gut zu, wenn er artig mit ihnen plaudert. Die Antwort freilich müssen ihm die Gefährten schuldig bleiben -- Ben und Sokrates sind Ratten.

Es sind die Muster-Exemplare einer rund 500 köpfigen Nager-Truppe, die sich ihr menschenscheuer Intimus im Keller seiner Erb-Villa gezähmt hat -- teils zum Zeitvertreib, teils zum Zweck einer längst fälligen Racheaktion.

Denn seinen hemdsärmeligen Boß. den Mr. Martin (Ernest Borgnine), kann der sanfte Willard nun gar nicht leiden: »Du hast meinen Vater ruiniert«, hält er ihm vor, »meine Mutter getötet und mich so weit gebracht, daß ich mich selber hasse.« Dann läßt er seine Tiere los und beobachtet mit Erleichterung, wie der entsetzte Unhold glasig blickend aus dem Fenster springt.

Daniel Mann, der Regisseur dieser Tierschau« weiß sich selber nicht recht zu erklären, warum sein »Willard« es in den USA an guten Tagen sogar mit dem Kassenerfolg der »Love Story« aufnehmen konnte.

Seine Ratlosigkeit leuchtet ein: Außer einem Rattenschwanz gängiger Thriller-Klischees hat Mann nur den aparten Grundeinfall zur Bereicherung des Genres beigesteuert. Und den hat doch wohl Hitchcock in den »Vögeln« schon viel besser ausgespielt.

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