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BMW Griff nach Sternen

aus DER SPIEGEL 8/1968

Autos um 14 000 Mark waren in Deutschland von jeher ein Marktbereich, den vor allem Schwabens »Guter Stern« bestrahlte. Selbst als im Spätsommer letzten Jahres NSU seinen 14 000-Mark-Wagen Ro 80 präsentierte, blieben die Manager der Daimler-Benz AG gelassen -- sie fürchteten den Kreiskolbenmotor-Neuling nicht. »Nur wenn BMW ein so großes Auto bauen würde«, sinnierte damals Mercedes-Benz-Verkaufschef Rolf Staelin, »müßten wir uns Sorgen machen.«

Jetzt baut BMW ein so großes Auto: Im Herbst sollen in München die ersten Exemplare eines neuen Modells namens BMW 2500 auf die Straße rollen.

Die Münchner Autobauer begnügen sich nicht damit, einen 2,5-Liter-Motor in eine ihrer bisherigen Karosserien einzubauen. »Wir bringen einen ganz neuen Sechszylinder-Wagen mit etwa 150 PS Leistung«, verriet BMW-Verkaufsdirektor Paul Hahnemann. »Sein Preis wird so gezielt sein, daß sich der BMW 2500 zwischen den Mercedes-Benz 250 (14 630 Mark) und 280 (16 995 Mark) schiebt.«

Hahnemann verschwieg, daß der neue BMW-Sechszylinderwagen sehr wahrscheinlich auch wahlweise in einer noch stärkeren Variante, mit 2,8-Liter-Motor von rund 170 PS, zu haben sein wird. Hingegen soll eine weitere, gleichfalls entwickelte Sechszylinder-Version von 2,2 Liter Hubraum vermutlich nicht produziert werden.

Die Bayerischen Motoren Werke (Jahresumsatz: 966 Millionen Mark) rüsten sich für die größte Produktionsausweitung ihrer 52jährigen Geschichte, Sie wollen 370 Millionen Mark investieren. Ihr Ziel ist es, täglich 750 Personenwagen (heute: 500) zu bauen -- genau so viele wie Daimler-Benz.

Um das hochgesteckte Produktionsziel erreichen und die neuen Groß-Typen bauen zu können, beschlossen die BMW-Manager, ihr Stammwerk in München-Milbertshofen in eine reine Automobilfabrik umzuwandeln. Alle Ersatzteile und Austauschaggregate' deren Fertigung in München bisher eine liennenswerte Erhöhung der Automobil-Produktion blockiert hatte, sollen künftig außerhalb Münchens fabriziert werden -- und zwar im niederbayrischen Dingolfing.

Dort hatte BMW im Spätsommer 1966 für zehn Millionen Mark die vom Ruin bedrohten Glas-Automobilwerke mit 4000 Facharbeitern übernommen. Um die eigene Ersatzteile-Herstellung zu gewährleisten, will BMW die bisher fortgeführte Produktion von Glas-Autos nun nach und nach aufgeben. Einzelne Glas-Modelle sollen nur noch für den Export und nur noch so lange gebaut werden, bis ihre Fertigungsanlagen von Entwicklungsländern übernommen worden sind.

Allein der nach wie vor begehrte Primitiv-Wagen Goggomobil soll dem deutschen Markt einstweilen erhalten bleiben. BMW-Direktor Hahnemann mag sein Haus jedoch nicht mit dem Zweitakt-Stinker identifizieren und verweigert ihm das BMW-Zeichen, »denn das ist doch gar kein Auto«.

Mit einem Aufwand von 120 Millionen Mark richtet BMW die Glas-Werke für ihre neue Aufgabe her. Bereits im Herbst sollen BMW-Teile und alle Ersatzteile auf Dingolfinger Fließbändern gefertigt werden -- zur gleichen Zeit, da in München die Produktion der neuen großen BMW-Modelle beginnt.

Schon im letzten Jahr konnte BMW auf dem deutschen Markt insgesamt 65 000 Personenwagen mit Benzinmotor verkaufen -- 5000 mehr als der Stuttgarter Konkurrent Daimler-Benz. Mit ihrem neuen Flaggschiff wollen die Münchner nicht nur Mercedes in der Sechszylinder-Klasse bedrängen, sondern auch die Traumgrenze aller Autobauer überschreiten: eine Milliarde Mark Jahresumsatz.

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