»Dulsberg Late Night« Grimme-Preis für kreativen Lehrer im Corona-Shutdown

Im Shutdown ging Schuldirektor Björn Lengwenus täglich mit einer YouTube-Show auf Sendung – damit punktete er nun auch beim Grimme Online Award. Der Überraschungssieger ist aber ein TikTok-Format.
Der undotierte Grimme Online Award gilt als wichtigste deutsche Auszeichnung für herausragende Online-Publizistik

Der undotierte Grimme Online Award gilt als wichtigste deutsche Auszeichnung für herausragende Online-Publizistik

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Not macht bekanntlich erfinderisch. Eine besonders kreative Antwort auf die Kontaktbeschränkungen der Corona-Pandemie ist in Köln mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet worden. Björn Lengwenus, Leiter einer Schule in Hamburg-Dulsberg, ging während der Schulschließungen sechs Wochen lang mit der allabendlichen YouTube-Show »Dulsberg Late Night« auf Sendung. Aus der leeren Aula der Schule schaltete er Schüler zu, führte auch mal ein Tänzchen auf, schlüpfte in ein Osterhasen-Kostüm und stärkte so den Zusammenhalt während der Pandemie.

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Lengwenus hatte für seine Initiative bereits die Goldene Kamera erhalten. Nun bekam er auch noch den Grimme Online Award in der Kategorie »Kultur und Unterhaltung«. »Es ist ganz wichtig, dass wir einen anderen Blick auf Schulen bekommen. Denn Schulen müssen einfach gute Orte sein«, sagte er.

Auch TikTok-Videos ausgezeichnet

Erstmals ist ein Format des Videoportals TikTok ausgezeichnet worden. Moderator Niklas Kolorz, der in dem Netzwerk in einminütigen Videos sperrige Wissensthemen verständlich aufbereitet, räumte bei der Preisverleihung gleich zwei Preise ab: einen Jury-Preis in der Kategorie »Wissen und Bildung« und den Publikumspreis. Er berichtete, dass ihm die Idee im zweiten Corona-Shutdown gekommen sei. »Ich wollte einfach irgendeinen kreativen Ausgleich schaffen.« Das habe eine unglaubliche Resonanz gefunden: »Nach acht Tagen hatte ich das erste virale Video mit 800.000 Aufrufen, und von da an ist der Kanal explodiert, das ist der Wahnsinn.«

Die Komikerin Enissa Amani gewann in der Kategorie »Spezial« einen Preis für ihr Format »Die beste Instanz«. Die Talkshow war eine Reaktion auf eine Ausgabe des WDR-Talks »Die letzte Instanz«, in der unter anderem die Frage »Das Ende der Zigeunersauce: Ist das ein notwendiger Schritt?« diskutiert worden war und an der es harsche Kritik gegeben hatte. Vorgehalten wurde der Sendung unter anderem, dass die Diskussion ausschließlich von weißen Gästen geführt worden war.

mjm/dpa