Zur Ausgabe
Artikel 56 / 89
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Grönemeyers Kanzler-Lächeln

*
aus DER SPIEGEL 13/1986

Wann immer er im Fernsehen das im Grinsen erstarrte Gesicht des Kanzlers erblickte, wurde der Sänger »wütend«. Als sich sein Eindruck verstärkte, »da stehst du davor, da kannst du mit einem Holzhammer kommen, der wird immer weiterlachen«, war es mit der Geduld Herbert Grönemeyers zu Ende. Er schrieb ein Lied, mit dem er das »Schwammige, Schlabbrige, dieses nicht mehr Greifbare« an Helmut Kohl in den Griff bekommen wollte, und nun ist es raus: »Ein Lächeln liegt auf diesem Land, grinst unerträglich ignorant. Lächeln wird bei uns zur Pflicht, Witz komm raus, langsam wird's lächerlich«. Unter dem Titel »Lächeln« ist der Song auf der neuen Grönemeyer-LP »Sprünge« verewigt, auf der der Künstler auch sonst kaum Milde walten läßt. Aggressiv attackiert er die neue deutsche Großmannssucht, die Überheblichkeit der Weißen dieser Welt, die Apathie gegenüber der Jugendarbeitslosigkeit. Das neue Grönemeyer-Werk ist der Nachfolger des Albums »Bochum«, das eine Auflage von 1,4 Millionen Exemplaren erreichte und den Schauspieler und Musiker sozusagen über Nacht zu einem der erfolgreichsten deutschen Popstars machte.

Zur Ausgabe
Artikel 56 / 89
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.