Zur Ausgabe
Artikel 76 / 78

Gestorben Günter Lamprecht, 92

aus DER SPIEGEL 42/2022
Foto:

Virginia / action press

Von den Attributen, mit denen man sich in seiner Zunft gern schmückt, konnte er gleich zwei für sich beanspruchen: Er war »Tatort«-Schauspieler und Fassbinder-Schauspieler. Bereits in »Taxi nach Leipzig«, der allerersten Folge der ARD-Krimi­serie, war er 1970 in einer Ne­benrolle zu sehen. In den Neunzigern verkörperte er in seiner Geburtsstadt Berlin den Kommissar Franz Markowitz. Lamprecht hatte die Figur selbst erfunden: einen Kriminalbeamten, der nicht prügelte und schoss, dafür aber fast so melancholisch war wie die Ermittler in den US-amerikanischen Schwarz-Weiß-Filmen der Vierzigerjahre. Die nostalgische Begeisterung für diese Zeit teilte Lamprecht mit Rainer Werner Fassbinder, dem wichtigsten Regisseur der alten Bundesrepu­blik. Der drehte mehrere Filme mit Lamprecht, darunter das Nachkriegsdrama »Die Ehe der Maria Braun«, einen seiner größten Erfolge. 1980 übernahm Lamprecht die Hauptrolle des Franz Biberkopf in Fass­binders Verfilmung des Romans »Berlin Alexanderplatz«. Die 14-teilige Produktion schrieb Fernsehgeschichte. Auch später trat Lamprecht in Historienfilmen oder -serien auf, etwa 1997 in »Comedian Harmonists«. Auf andere Art gerieten Lamprecht und seine Lebensgefährtin, die Schauspielerin Claudia Amm, 1999 in die Schlagzeilen, als sie bei einem Amoklauf in Bayern angeschossen wurden. Eine seiner letzten Rollen übernahm er schließlich 2017: In »Babylon Berlin« spielte er Reichspräsident Hindenburg. Günter Lamprecht starb am 4. Oktober in Bonn.

sha
Zur Ausgabe
Artikel 76 / 78
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.