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KARRIEREN Hamburger Netzkultur

aus DER SPIEGEL 5/2002

Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) war die Erleichterung anzumerken, als er in der vergangenen Woche nach etlichen Anläufen, Absagen und viel Häme von der Opposition endlich eine neue Kultursenatorin präsentieren konnte - noch dazu eine Allround-Expertin: Die promovierte Philosophin Dana Horáková, 54, war als Journalistin mit Schwerpunkt Kulturboulevard viele Jahre lang beim Springer Verlag tätig. Als solche weiß sie, wer Brad Pitt ist ("Wenn er einen rosa Lolli vernascht, kriegt man Lust auf mehr"), und hat allerlei Weltstars interviewt wie Yehudi Menuhin und Nadine Gordimer ("Sie denkt Frauengedanken"). Horáková dürfte der neue Job durchaus gelegen kommen: Die Ex-Kulturchefin der »Bild«-Zeitung und ehemalige stellvertretende Chefredakteurin der »Welt am Sonntag« hat zuletzt nur mehr als Kolumnistin der diversen Springer-Blätter von Hamburg aus die Kulturszene beobachtet. Für die neue Aufgabe scheint sie nach Beusts Maßstäben schon deshalb geeignet, weil sie Kultur auf einen menschlichen Nenner bringen kann. Ihr Kommentar zu den Bayreuther Festspielen: »Zweimal konnte ich schon auf dem Holzstuhl verharren. Es war eine Wonne!« Der Hamburger Kulturbetrieb gab sich nach ihrer Ernennung trotzdem leicht irritiert - Louwrens Langevoort, Intendant der Hamburgischen Staatsoper, war nur einer von vielen, die gestehen mussten, die Dame nicht zu kennen. Das Fremdeln wird bald vorüber sein: Als Bürgermeister Beust Horáková vorstellte, hat diese - ganz im zuspitzenden »Bild«-Jargon - eine stärkere Vernetzung gefordert: »zwischen der Smoking-Society und dem Kiez«.

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