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Am Rande Hamlet ruft

aus DER SPIEGEL 25/1998

Wär' er hinaufgelangt, Hamlet nämlich, hätt' er sich »höchst königlich bewährt«. Doch leider stirbt der Prinz, und die Polit-Karriere auf der Bühne ist perdu. Aber auch im richtigen Leben, also in Amerika, können Schauspieler ganz hochkommen. Ronald Reagan in der Hauptrolle des US-Präsidenten war ein Hit, und nun hat es auch Charlton Heston, einst ein imposanter Hollywood-Moses, geschafft: Er wurde Präsident der amerikanischen Schießbürger, der »National Rifle Association«, und da kann er abdrücken, was er als Moses lernte: »Auge um Auge, Zahn um Zahn.«

Die Amerikaner lösen damit ein Problem, das auch in unseren Breiten grassiert. Jeder kann zwar, wie ein gewisser A. H. aus Braunau, beschließen, Politiker zu werden, aber eine Berufsausbildung gibt es, sichtlich, nicht - bleibt, als zweiter Bildungsweg, die Schauspielerei. Denn wer als Macbeth oder Julius Cäsar seinen Text gelernt hat, weiß, wie der Polit-Hase läuft, wie man Masken trägt, Intrigen spinnt und wie diplomatisch Shakespeares Cäsar dachte: »Laßt wohlbeleibte Männer um mich sein,/ Mit glatten Köpfen und die nachts gut schlafen«, und nicht irgendeinen dürren, zappeligen Hauser.

Schauspieler aller Länder, eure Theater sterben sowieso an Subventions-Schwund, folgt tapfer Hamlets Ruf: »Die Zeit ist aus den Fugen; Schmach und Gram,/ Daß ich zur Welt, sie einzurichten, kam!«

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