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Immobilien Handel mit Vogeleiern

Der Hang zur eigenen Scholle kennt keine Grenzen: In Hamburg gründete sich eine Makler-Firma, die sich auf den Handel mit fernen Inseln spezialisiert hat.
aus DER SPIEGEL 32/1972

Man könnte sie, verheißen ihre Entdecker, »vergessene Paradiese nennen.« Jetzt werden diese Paradiese käuflich: Inseln.

Vorn Handel mit pittoresken Eilanden und exotischen Atollen verspricht sich das Hamburger Makler-Team René Boehm. 30, und Farhad Vladi, 28. »auf längere Sicht das große Geschäft.

Denn der Drang, etwas Eigenes zu besitzen, so spekulieren die Branchen-Außenseiter risikofroh, macht beim Eigenheim im Grünen nicht halt. Manche möchten darüber hinaus mit ihrer Jacht an einer eigenen Insel anlegen können. »Wie die Beatles die langen Haare«, so glauben Boehm und Vladi, »hat Onassis eben Inseln in Mode gebracht.

Fünf Jahre lang waren der Jurist Boehm und der promovierte Volkswirt Vladi um die Welt gereist, um ferne Privat-Inseln auszumachen, die »weder Soldaten, Polizisten noch Steuerfahnder kennen«. Vierzehnmal bislang wurden sie fündig.

So offerieren die Land-Vermittler beispielsweise im Indischen Ozean drei Inseln des Seychellen-Archipels, bestückt mit Kokospalmen. Mango, Papaya, Zimt und anderen tropischen Ge wachsen. auf denen sich Riesenschildkröten tummeln und Millionen Seeschwalben brüten. Kaufpreis: zwischen 590 000 und 4,5 Millionen Mark.

Kapitalkräftige Erwerber könnten dort, so lassen die beiden »Spezialisten für exotische Grundstücke« wissen, leicht vom handel mit Kopra oder vom Verkauf von Vogeleiern ihren Lebens unterhalt bestreiten.

Das Hamburger Makler-Paar hat auch schon einen bestimmten Käufer Kreis im Auge: »Männer der Tat, die den Speerfisch. Barracuda und Königsdorsch jenseits der Riffe jagen«. die wohlsituierten Freunde des Abenteuers und der unberührten Natur also.

»Wer aber investieren will«, so locken sie die Freizeit-Robinsons, »der findet ein Gelände vor, dessen touristischer Wert nur darauf wartet, kommerziell genutzt zu werden.« Denn bereits 1975 sollen, so heißt es, jährlich 30 000 Touristen in das »exotische Traumland« der Seychellen eingeflogen werden. Schon heute tauchen sie im Programm fast je des besseren Reiseveranstalters auf.

In den griechischen Gewässern halt das Makler-Duo gleich elf Objekte feil. eines davon in verkaufsfördernder Nähe der Onassis-Insel Skorpios. Preis: drei Millionen Mark. Menschenscheue Exzentriker, die nur ein idyllisches Refugium suchen, kommen als Käufer freilich nicht in Betracht. Grund: Die griechische Regierung erteilt die Verkaufsgenehmigung an Ausländer nur unter der Bedingung. daß die bislang meist unwegsamen und menschenleeren Eilande für den Tourismus erschlossen werden

»Geld allein«, so erklären die Spezialisten für exotische Grundstücke. »interessiert uns nicht hei unseren künftigen Kunden. Wichtig ist: Sie müssen das ge wisse Inselgefühl haben.« Kriterium für dieses Inselgefühl ist bei »Boehm & Vladi« ein Privat-Jet.

Seit Firmengründung im Januar dieses Jahres haben sie sämtliche deutsche Privatflieger angeschrieben, fast fünfzig zeigten sich interessiert, mit zwanzig. darunter ein deutscher Prinz, »stehen wir in ernsthafter Korrespondenz«.

Linige Interessenten freilich mußten abschlägig beschieden werden. So wollte eine in Wetter an der Ruhr beheimatete »Hilfsaktion Märtyrer-Kirche e. V.« im indischen Ozean eine Radio-Station errichten. Und die Malteser-Ritter wollten eine der Seychellen-Inseln aus dem Britischen Staatsverband herauslösen, um dort ein unabhängiges Steuerparadies zu gründen

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