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Gestorben Hans Janke, 77

aus DER SPIEGEL 17/2022
Foto:

BNF / ullstein bild

Sein Einfluss auf das fiktionale Programm des Zweiten Deutschen Fernsehens kann kaum überschätzt werden. Er hat viel gewagt und möglich gemacht, gewiss auch gegen Widerstände in einem manchmal trägen System, wie der öffentlich-recht­liche Rundfunk es sein kann. Hans Janke, 1944 im westfä­lischen Erwitte geboren, verlor früh seine Eltern, arbeitete in den Siebzigerjahren als Journalist und leitete von 1983 bis 1989 das Grimme-Institut. Dann kam er nach Mainz und stieg zum Leiter der ZDF-Hauptredaktion Fernsehfilm auf, seit 1995 war er auch stellvertretender Programmdirektor. Popularität und Qualität waren für ihn keine Gegensätze, geistreiche Unterhaltung war sein Markenzeichen. Mit dem von ihm erfundenen Format »Der Fernsehfilm der Woche« stellte er kreative Freiräume bereit. Das von ihm verantwortete »Kleine Fernsehspiel« gilt bis heute als erste Adresse für den Filmnachwuchs. Unter seiner Verantwortung entstanden Krimireihen wie »Bella Block«, Lars Beckers »Nachtschicht« oder die Verfilmung von Martin Walsers »Ein fliehendes Pferd«. Janke war ein feinsinniger Mann, dem jede intellektuelle Hoch­näsigkeit fremd war. Er konnte, so steht es in der »SZ« genauso »ernst, sachkundig und niemals indiskret über das komplizierte Leben seiner Friseurin sprechen wie über die inneren Vorgänge in großen Zeitungen oder den Kurs der Sozialdemokratie«. 2009 ging er in den Ruhestand. Der stets blendend informierte Vielleser blieb ein gesuchter Gesprächspartner in Künstler­kreisen. Hans Janke starb am 19. April in Wiesbaden.

ks
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