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Hans Magnus Enzensberger »Die Scheiße«

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aus DER SPIEGEL 33/1985

Immerzu höre ich von ihr reden als wär sie an allem schuld. Seht nur, wie sanft und bescheiden sie unter uns Platz nimmt! Warum besudeln wir denn ihren guten Namen und leihen ihn dem Präsidenten der USA, den Bullen, dem Krieg und dem Kapitalismus?

Wie vergänglich sie ist, und was wir nach ihr nennen wie dauerhaft! Sie, die Nachgiebige, führen wir auf der Zunge und meinen die Ausbeuter. Sie, die wir ausgedrückt haben, soll nun auch noch ausdrücken unsere Wut? Hat sie uns nicht erleichtert? Von weicher Beschaffenheit und eigentümlich gewaltlos ist sie von allen Werken des Menschen vermutlich das friedlichste. Was hat sie uns nur getan?

Enzensbergers »Die Scheiße« (aus: »Gedichte 1955-1970«, Suhrkamp) gehört zu einer Lyriksammlung auf Postkarten, die der Verlag Hans D. Schickert in München (Dachauer Straße 2) zum Stückpreis von 1,50 Mark vertreibt.

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