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Gestorben Hardy Krüger, 93

aus DER SPIEGEL 4/2022
Foto:

Siegfried Pilz / United Archives / ddp

Er war ein Aufklärer. Ganz gleich ob er als Schauspieler, Schrift­steller oder Reisereporter wirkte. Hardy Krüger klärte die Welt nach dem Zweiten Weltkrieg darüber auf, dass nicht alle Deutschen schlechte Menschen sind. Und die Deutschen klärte er darüber auf, dass die Welt groß und frei und schön ist. Seine Eltern waren glühende Faschisten, er sollte auf einer NS-Kaderschmiede erzogen werden. Seine Besetzung für einen Propagandafilm öffnete dem 15-Jährigen die Augen, er erfuhr von den Verbrechen. 1945 gelang es ihm, als Jugendlicher noch an die Front geworfen, sich von der Truppe abzusetzen. Angewidert vom seichten Kino der Nachkriegszeit ging Krüger nach Frankreich, dann nach England – wo er 1957 in »Einer kam durch« die Hauptrolle spielte, einen kriegsgefan­genen deutschen Jagdflieger. Es war der Beginn einer Karriere im internationalen Kino, auch an der Seite von Größen wie James Stewart oder Charles Aznavour. Zeitweise lebte Krüger in einer Lodge in Tansania, später verwandelte er sein Fernweh in erfolg­reiche Fernsehformate (»Weltenbummler«), Reiseberichte und Romane. Zeitlebens engagierte er sich gegen den Faschismus. Hardy Krüger starb am 19. Januar in Palm Springs, Kalifornien.

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