Zur Ausgabe
Artikel 79 / 119

Haremsdrama auf chinesisch

aus DER SPIEGEL 31/1992

Ein altes Herrenhaus im Norden Chinas, das in der Landschaft steht wie eine finstere Festung; in seinen ummauerten Innenhöfen und Privatgemächern die vier Ehefrauen des Feudalherrn, jede für sich, vier Gefangene - und sie suchen ihr Heil nicht in Gemeinsamkeit, sondern in mörderischer Rivalität um die Gunst ihres Unterdrückers. Der chinesische Spielfilm »Rote Laterne« von Zhang Yimou hat die Hitzigkeit eines Thrillers und die kunstreiche, abgezirkelte Strenge eines Zeremoniells. Im Rahmen des Psychodramas entwickelt sich ein Gleichnis von Versklavung und Selbstversklavung, das auch politisch zu verstehen ist. Deshalb wohl hat Zhang in seiner Heimat den paradoxen Status eines geduldeten Dissidenten: Er darf in China Filme drehen, doch sie dürfen in China nicht gezeigt werden. Sein jüngster, »Rote Laterne«, kommt diese Woche in deutsche Kinos.

Zur Ausgabe
Artikel 79 / 119
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.