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FILM Hauen und Stechen

»Mandingo«. Spielfilm von Richard Fleischer. USA 1975; Farbe; 123 Minuten.
aus DER SPIEGEL 35/1975

Im Kessel blubbert es schon tüchtig, doch der Neger, für den das letzte Bad gerichtet ist, will nicht hinein. Da schießt der weiße Herr ihn ein wenig zusammen, hilft mit der Mistgabel nach, und der Schwarze verkocht zu Suppe.

Das ist, nach zwei Stunden blutrünstigem Hauen, Stechen, Henken und goldgelb gefilmtem Kopulieren, das Finale eines Kinostücks, das sein Regisseur Richard Fleischer, 59, als »historisches Dokument« besehen haben möchte. Es ist eines, ein Dokument für widerwärtige Spekulation.

»Mandingo« basiert auf einem Brutal-Bestseller aus dem Jahre 1958, in dem ein Kyle Onstott eine Besonderheit der Südstaaten-Sklaverei um 1840 ausscheffelte: die Zucht von Super-Sklaven, Mandingos genannt, die als Arbeitstiere auf den Markt geworfen wurden oder als »Kampfnigger« für schwarze Prügel-Shows Verwendung fanden.

Doch die schauerliche Wahrheit der Sklaverei wird bei Fleischer zum puren, voyeuristisch abgelinsten Mondo cane; sexuelle Petits Fours inbegriffen. Und damit die Amerikaner solche Vergangenheit ungeniert bewältigen können -- der Film ist in den USA ein Sensations-Erfolg -, stimmt sie Fleischer günstig ein.

Denn mit den schlimmen weißen Herren, die wie »Vom Winde verweht« zwischen Krinolinen und Magnolien leben, mag sich kein Zuschauer identifizieren. Den Plantagen-Patriarchen, James Mason spielt ihn als Mischung aus Ahab und Moby Dick, plagt sehr das Zipperlein; der junge Herr leidet an einem Hinkebein, und seine Braut faßt er, weil sie schon ohne Hymen ist und von Inzest gezeichnet, nicht mehr an.

Er hat, durch den Jux primae noctis mit jungen Negerinnen, auch irgendwie den Geschmack an Weiß verloren; andererseits fühlt sich die junge Gattin von seinem Leibsklaven merkwürdig angezogen und kommt alsbald mit einem getönten Baby nieder. Aus solchen und anderen Schicksals-Motiven webt sich dann der Handlungsfaden zur nächsten Sado-Szene.

Manches könnte auch von heute sein. Den Leibsklaven, den sich der junge Herr als »Kampfnigger« hält, spielt der schwarze Schwergewichts-Boxer Ken Norton. Der hat einmal, in einem dramatischen Fight, dem schwarzen Cassius Clay den Kiefer zertrümmert. Fritz Rumler

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