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Literatur Hausvater Mörike

aus DER SPIEGEL 42/1994

Bettelarm war der Poet nicht. Einteilen aber mußte Frührentner Eduard Mörike seine kleine Pfarrerpension, und von den 440 Gulden, die er im Juli 1846 für seine »Idylle vom Bodensee« bekam, lebte er über ein Jahr lang. Freilich: »Die beste, größte Einnahme in diesem Monat ist mein Liebs Guts Gritchenlein«, kritzelte Mörike fröhlich an den Rand des »Haushaltungs-Buchs«, das Hans-Ulrich Simon vom Marbacher Literaturarchiv jetzt als prächtiges Faksimile herausgebracht hat (Cotta'sche Buchhandlung Nachf., Stuttgart; 75 Mark). Denn da tauchen neben der Bilanz von »Weck« und »Kukummer« (Gurken), »Hustenzucker« oder »Gallenseife« plötzlich kleine schnurrige Zeichnungen und Sprüche auf - zur Freude von Hausgenossin Margarethe ("Gritchen") Speeth. Die heiratete denn auch kaum fünf Jahre später den Mann, der sogar einen Budgetplan zum Kunstwerk machen konnte.

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