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ZEITSCHRIFTEN Heile Welt

»Omni«, erfolgreiches populärwissenschaftliches Monatsblatt in den USA, gründete einen deutschsprachigen Ableger. *
aus DER SPIEGEL 11/1984

Das Blatt wirkt wie eine Mischung aus »Star Wars Magazine« (das es nicht gibt), dem »Playboy« und der Werkzeitschrift eines amerikanischen Chemie-Multis.

In dem Hochglanz-Heft finden sich Beiträge über »menschlichen Winterschlaf - Kur gegen Fettsucht?« und menschenähnliche Killer-Roboter, Interviews mit Nobelpreisträger Ilya Prigogine und dem verblassenden Raum-Heros John Glenn, Science-fiction von Autoren wie Isaac Asimov und verführerische Zeichnungen nackter Weltraum-Beauties - mit solcher Mixtur wurde »Omni« in den USA zum erfolgreichen populärwissenschaftlichen Magazin.

1978 von Bob Guccione, dem Herausgeber des Herrenmagazins »Penthouse«, gegründet, erreicht das Monats-Blatt gegenwärtig eine Verkaufsauflage von rund 850 000 Exemplaren. Hauptzielgruppe sind männliche Leser zwischen 18 und 34 Jahren, die, so eine »Omni«-Untersuchung, »Computerprogramme schreiben können«, wissen, was »an der Börse vorgeht«, und bereit sind, »amerikanische Raumfahrtprogramme zu unterstützen«.

Nun soll, von Donnerstag dieser Woche an, eine deutsche Ausgabe des Fiction- und Fantasy-Magazins erscheinen. 400 000 Hefte wurden gedruckt, auf 160 000 bis 210 000 Käufer hofft der Schweizer Verleger Carlo Frey, der die deutsche »Omni«-Lizenz erwarb - vor allem auf Leser, die sich »am Fortschritt begeistern« und wie Frey der Ansicht sind, daß es an der Zeit sei, »den leider so modernen Pessimismus abzubauen«.

Wissenschaftsgläubigkeit und Zukunftszuversicht prägen auch den deutschsprachigen »Omni«-Ableger. Europa im Jahr 2000? »Eine heile Welt mit kleinen Fehlern« - jedenfalls nach Meinung des »Omni«-Autors Michael Redepenning.

Um die »Zukunft in all ihren Facetten« auszuleuchten, berichtet das deutsche April-»Omni« über Nachbarn im All - eine Spezies, der sich auch das amerikanische Mutterblatt stets verpflichtet fühlt. Berichtet wird auch - diesmal Science fact - über eine biotechnologische Anlage, mit der die Edelmetallgesellschaft Degussa an der Zukunft der Biotechnologie teilhaben will.

Götterfreund Erich von Däniken, der als Dr. h.c. im »wissenschaftlichen Beirat« des deutschsprachigen »Omni« sitzt, trägt schon im ersten Heft das Seine zur freundlichen Weltsicht bei: Reagan und Tschernenko kommen, via

Zeitmaschine, »bei einem Gläschen Wodka zu eher selbstverständlichen und irdischen Einsichten«.

Die Mischung aus Zukunfts-Spekulationen und Science-fiction in geschlecktem Layout verspreche auch im deutschsprachigen Raum, so »Omni«-Lizenzgeber Guccione, »großen Erfolg bei Anzeigen-Kunden« - wie schon bisher in den USA. Zwar wird »Omni« in der Branche gern als »führendes Magazin für Science-fiction und Science-fantasy« belächelt. Doch den wirtschaftlichen Erfolg des Magazins erkennen auch die Mitbewerber an. Während andere Wissenschaftsmagazine »die Hosen runterlassen müssen«, so John Kirby, Anzeigen-Direktor des ehrwürdigen »Scientific American«, »macht 'Omni' Geld«.

Dem harten Kampf am US-Markt populärwissenschaftlicher Magazine erlag »Technology Illustrated«. Auch bei »Discover« sieht Markt-Kenner Kirby Zeichen der Not - mit dem Februar-Titel 1984 setzte »Discover« erstmals auf die Anziehungskraft eines nackten Paares.

»Omni«-Verleger Guccione kann dem Straucheln der Mitbewerber gelassen zusehen. Gestützt auf »Omni«-Gewinne und Kasino-Beteiligungen in Atlantic City, vor allem aber mit dem lukrativen »Penthouse« kann sich Guccione ein aufwendiges Hobby leisten: Insgesamt 16 Millionen Dollar investierte der Verleger in eine 1976 gegründete »International Fusion Energy Systems Company« in La Jolla, Kalifornien. Dort forschen 53 Wissenschaftler an einem »kleinen kommerziellen Fusions-Reaktor«.

Zwischen 1989 und 1994, so hoffen die Beteiligten, könnte ein erschwinglicher Kompakt-Reaktor, made by Guccione, entwickelt sein.

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