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MUSIKSKANDAL Heilige Sünderin

aus DER SPIEGEL 5/1999

Als Teenager durfte sie bei Pablo Casals studieren, als blondmähnige Virtuosin wurde sie vergöttert, mit 22 heiratete Jacqueline du Pré ("Jackie") den Dirigenten Daniel Barenboim. Dann erkrankte sie an multipler Sklerose und starb 1987, mit 42 Jahren. Seitdem hat die Jackie-Gemeinde die Verstorbene kanonisiert. Doch nun ramponieren ein Buch und, darauf basierend, ein Spielfilm (Hauptrolle: Emily Watson) die Gloriole: War die Heilige auch eine Sünderin? In ihrer Familienstory »A Genius in the Family« behaupten Hilary und Piers du Pré, die Geschwister der Musikerin, die legendäre Kniegeigerin habe 16 Monate lang eine Affäre mit ihrem Schwager, dem Ehemann Hilarys, gepflegt - mit dem Plazet der Schwester. Nachdem der Film »Hilary and Jackie« in den USA und in England angelaufen war, wuchs sich die stille Wut des Publikums zum Sturm der Entrüstung aus: Du-Pré-Fans bombardierten die Zeitungen mit Drohbriefen. EMI Classics, du Prés langjähriger Plattenverleger, beeilte sich mitzuteilen, das Label habe seine Mitwirkung verweigert. Am heftigsten reagierte Barenboim: »Konnten sie damit nicht warten, bis ich tot bin?«

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