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PRESSE Heißes Objekt

Während »Playboy«, Vorbild aller Herrenmagazine, an Auflage verliert, erzielt ein Neuling auf dem Markt Verkaufserfolge. Motto: »Wir sind geschmacklos.«
aus DER SPIEGEL 7/1976

Die Kioskbesitzer lieben uns«, brüstet sich Verleger Larry C. Flynt, 33, »an uns verdienen sie doppelt.« Die Kunden nämlich kaufen das Magazin. das Flynt produziert, und dazu noch eine Tageszeitung, um es beim Nachhausetragen zu verstecken.

Das scheint, selbst im mittlerweile Sexmagazin-gewohnten Amerika, angebracht. Denn »Hustler«, das derzeit heißeste Objekt auf dem US-Zeitschriftenmarkt. ist zugleich das geschmackloseste unter den amerikanischen Herrenmagazinen.

Erst seit 18 Monaten ist das Magazin. das mit dem »Playboy« nur noch das Format gemeinsam hat, auf dem Markt. Doch inzwischen hat sich die Startauflage fast verzehnfacht: Mit 1,3 Millionen Exemplaren liegt »Hustler« nun schon an dritter Stelle hinter »Playboy« (der von einst sieben auf 5,8 Millionen schrumpfte) und »Penthouse« (das derzeit bei vier Millionen stagniert). »Einer der schnellsten Magazin-Erfolge, die es je gab«, konstatierte das »Wall Street Journal«.

Das Herrenblatt, in Amerika für 1,75 Dollar, in Westdeutschland für stolze elf Mark feilgeboten, präsentiert Sex auf dem Niveau von miesem Dänenporno: Statt elegant (mitunter freilich auch glatt-steril) wie bei den besseren Herrenmagazinen wird beim »Hustler« immer direkt von vorn photographiert, und häufig eher das Ausgefallene -- eine Fünfzigjährige etwa als erotische Ausklapptafel oder die Enthüllung eines vollbusigen Transvestiten.

Doppeldeutig ist schon der Name des Magazins; »Hustler« bedeutet »agiler, zupackender junger Mann« und zugleich »Prostituierte«. Und Blattmacher Flynt, Herausgeber und Chefredakteur in einer Person, bekennt sich auch ausdrücklich zum Vulgärprogramm: Anders als etwa beim »Playboy«, wo der durchschnittliche Leser Photos von Mädchen finde, »die er in Wirklichkeit nie treffen kann«, das Ganze garniert noch »mit Intellektuellenstorys und dem hochgestochenen Schickeriakram«, biete »Hustler« wahre Lebenshilfe: »Wir sind ein Aufgeil-Magazin.«

Das »Hustler«-Redaktionsteam besteht aus ganzen vierzehn Leuten. Neben Flynt wirken seine Freundin Althea Leasure, 22, vormals Nacktphotomodell, und sein Bruder Jimmy« 28, der auch schon früher Flynts Geschäfte mit besorgte: Der aufstrebende Verleger besaß eine Bar- und Restaurantkette in verschiedenen Städten des US-Staates Ohio.

Aus solchem Milieu erwuchsen wohl auch Flynts Vorstellungen über Zielgruppe und Redaktionsprogramm seines Magazins. »Zehn Fernfahrer als Leser sind mir lieber als ein einziger Professor«, erklärt Flynt.

Nicht nur die Photos, auch die Cartoons und Witze in seinem Blatt entstammen eher dem Umfeld von Gosse und Biertisch: Das »Asshole of the Month« wird ausgerufen (in diesem Monat die Hefner-Freundin Barbi Renton, weil sie Flynts Einladung zu einem Drink ausschlug); daneben zwei Seiten Ratschläge über die Verwendungsmöglichkeiten eines Vibrators.

Als größte redaktionelle Hits galten den »Hustler«-Machern eine Serie von Jacqueline-Onassis-Nacktphotos« die ein italienischer Photograph aus dem Gebüsch geschossen und dem Magazin verkauft hatte, sowie ein Amateur-Schnappschuß der unbekleideten Ford-Attentäterin Lynette Fromme.

»Wir sind geschmacklos bis dort hinaus«, resümiert Verleger Flynt sein Redaktionsprogramm, »aber der Durchschnittsamerikaner ist es auch.« Schon in diesem Frühjahr hofft Flynt mit seiner »Hustler«-Auflage die Zwei-Millionen-Marke zu überspringen. Geschätzter Jahresgewinn für 1976: zehn Millionen Dollar.

Ein altes amerikanisches Sprichwort, urteilte das Nachrichtenmagazin »New Times« über Amerikas »jüngsten Pornoprinzen«, werde hier bestätigt: »Es war noch nie ein Verlustgeschäft, den Amerikaner für dumm zu verkaufen.«

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