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Gestorben Helga Reidemeister, 81

aus DER SPIEGEL 49/2021
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- / Filmakademie Baden-Württemberg

Sie kam spät zum Dokumentarfilm, vielleicht blieb sie ihm deshalb so lange treu. Noch 2015 veröffentlichte sie einen Film über Afghanistan, den Krieg und die Folgen. Da war sie bereits 75 Jahre alt. Geboren 1940 in Halle, hatte Helga Reidemeister zunächst Malerei studiert, bevor sie sich an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin einschrieb. Mit knapp 40 Jahren schloss sie das Studium mit »Von wegen ›Schicksal‹« ab, einer dokumentarischen Emanzipationsgeschichte über eine Frau, die sich von ihrer Familie löst. Reidemeister gewann damit den Deutschen Filmpreis, eine von vielen Auszeichnungen, die ihr Werk fortan würdigen sollten. Ihre Filme schlüsselten stets das Private politisch und das Politische privat auf. So handelte »Aufrecht gehen, Rudi Dutschke – Spuren« (1988) von der Zeit, in der sie mit Rudi Dutschke in einer WG in Berlin wohnte. Damals konnte sie miterleben, wie sich Dutschkes Leben mit den politischen Entwicklungen in der BRD verschränkte. An der Filmakademie Baden-Württemberg war sie als Dozentin tätig, ab 1988 erhielt sie Lehraufträge im In- und Ausland. Helga Reidemeister starb am 29. November in Berlin.

HPI
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