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Kunstmarkt Helldunkel um den Täufer

aus DER SPIEGEL 42/1994

Dicke Firnisschichten verschleiern den Heiligen, doch der Kenner blickt durch: Derlei feste Helldunkel-Modellierung von nacktem Knie und bloßer Schulter wie bei einem neu entdeckten »Täufer Johannes in der Wüste« traut Hugh Brigstocke, Experte des Londoner Auktionshauses Sotheby's, einzig dem lothringischen Barockmeister Georges de La Tour zu. Dessen allgemein hochgeschätztes Werk von nur etwa 35 gesicherten Arbeiten wird um ein wichtiges Stück reicher. Unter vielen Nachtszenen des Künstlers ist dies die vorerst einzige ohne mitgemalte Lichtquelle wie Kerze oder Fackel - ein Prinzip, das La Tour auf einer sonst nicht belegten Italienreise dem Malpionier Caravaggio abgeguckt haben müßte. Das Bild stammt aus einem französischen Nachlaß und soll am 2. Dezember in Monaco versteigert werden. Dem Käufer steht, so Brigstocke, die Freude bevor, durch Reinigung der Malerei deren Qualitäten erst recht freizulegen. Weil der französische Staat die Ausfuhr untersagt, ist der geschätzte Weltmarktpreis von rund acht Millionen Mark graue Theorie.

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