Filmemacher und Schriftsteller Herbert Achternbusch ist tot

Mit Filmen wie »Bierkampf« oder »Das Gespenst« provozierte er und legte sich mit der katholischen Kirche an: Der Avantgardist und Humorist Herbert Achternbusch ist gestorben, er wurde 83 Jahre alt.
Herbert Achternbusch (1938–2022)

Herbert Achternbusch (1938–2022)

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teutopress / IMAGO

Oftmals wurde das künstlerische Werk Herbert Achternbuschs mit dem von Karl Valentin verglichen – beide kamen unverkennbar aus Bayern, beiden war ein skurriler Humor zu eigen, beide rieben sich an Autoritäten. Wie die »Süddeutsche Zeitung«  und der Bayerische Rundfunk  unter Berufung auf Weggefährten und Freunde melden, ist Herbert Achternbusch zu Beginn der Woche im Alter von 83 Jahren gestorben.

Geboren 1938 in München, wuchs Achternbusch im Bayerischen Wald bei seiner Großmutter auf. In Nürnberg studierte er an der Kunstakademie, schlug sich mit Gelegenheitsarbeiten durch, unter anderem als Zigarettenverkäufer auf dem Münchner Oktoberfest. Mitte der Sechzigerjahre veröffentlichte er erste Bände mit Radierungen und Lyrik.

Achternbusch arbeitete in der Folge in den verschiedensten Gattungen. Früh schauspielerte er selbst, drehte Filme, schrieb Romane, publizierte und inszenierte Theaterstücke und malte. Seine künstlerische Produktion stieß auf ein zwiespältiges Echo, neben einer Reihe von Preisen kam es zu Verboten einiger Werke.

Verbrannter Preis und ein Skandalfilm

Erste überregionale Bekanntheit erlangte Herbert Achternbusch Anfang der Siebziger mit Prosa (»Die Alexanderschlacht«), bevor er sich Mitte des Jahrzehnts vermehrt dem Kino zuwandte. Aufsehen erregte 1977 der Film »Bierkampf« mit zahlreichen betrunkenen Oktoberfestbesuchern als unfreiwilligen Laiendarstellern. Im selben Jahr verbrannte er den von der Zeitschrift »Bunte« gestifteten und von Peter Handke verliehenen Petrarca-Preis und verließ die Veranstaltung unter Protest.

Mit »Das Gespenst« (1983) löste Achternbusch einen Skandal aus. Im Film steigt Jesus vom Kreuz und eröffnet zusammen mit der von Annamirl Bierbichler gespielten Oberin eines Klosters eine Kneipe. Der damalige Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann (CSU) verweigerte die Auszahlung der letzten Förderrate für den Film mit der Begründung, der vom Kreuz herabgestiegene »42. Herrgott« verletze das »religiöse Empfinden großer Teile der Bevölkerung«.

Nach einem durch mehrere Instanzen geführten Rechtsstreit entschied das Oberverwaltungsgericht Münster 1992 zugunsten des Künstlers. Dazwischen lagen Jahre der Ächtung: Fernsehanstalten strahlten Achternbuschs Filme nicht aus oder schnitten Passagen heraus, Fördergremien ignorierten ihn. Erst im Oktober 1993 kam es in der ARD zu einer Filmretrospektive, wobei »Servus Bayern« (1977) allerdings auf Intervention des Bayerischen Rundfunks fehlte.

Seit 1994 war Achternbusch Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, 2010 erhielt er den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor. Anlässlich seines 75. Geburtstags gab Achternbusch bekannt, dass er seine künstlerische Tätigkeit eingestellt habe. Auf die Frage, ob er darunter leide, dass seine künstlerische Produktion erlahmt sei, antwortete er: »Erlahmt? Man kann auch sagen, vollendet.«

feb

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