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NEU IN DEUTSCHLAND Herman Wouk: »Er ist mein Gott«.

aus DER SPIEGEL 26/1961

Der 1952 unter die Pulitzer-Preisträger aufgerückte Bestseller-Romancier ("The Caine Mutiny") hat sein erstes Nonfiction-Buch »This is my God« dem Gedächtnis seines Großvaters und religiösen Mentors gewidmet. Mendel Leib Levine, mit 94 Jahren in Israel verstorben, war Rabbiner; er amtete bis 1928 in Minsk, dann - liberaler Anhänger des Chassidismus, konservativer Wahrer osteuropäischen Zuschnitts von Kleidung und Barttracht - im New Yorker Stadtteil Bronx und (von 1951 an) in Tel Aviv. Dem Enkel, dessen Eltern 1905 in die Vereinigten Staaten eingewandert waren, erschloß der Schriftgelehrte den hebräischen und aramäischen Wortlaut des Talmud. Mehr noch: Das Vorbild des Rabbi-Großvaters wies dem Enkel den »alten klassischen Weg«, das »Leben eines gesetzestreuen Juden« zu führen. Mit werbender Belehrung, wie »man die mosaischen Gesetze befolgen kann und dabei aus der Alltagswelt nicht herausfällt«, mit einem persönlichen Plädoyer für die Praktizierbarkeit von Sabbatheiligung, Gebetsritus, Synagogentreue, Nahrungs- und Beschneidungsvorschriften wendet sich Wouk an die Konformisten, die Assimilanten und ohne religiöse Erziehung Aufgewachsenen unter seinen jüdischen Mitbürgern, aber auch an »jeden, der wissen will, was das Judentum ist«. Von dogmatischer Engherzigkeit hält sich Wouk fern. Sein Bekenntnis- und Aufklärungsbuch entkräftet antisemitische Ressentiments durch großzügige Offenheit. (Wolfgang Krüger Verlag, Hamburg; 436 Seiten; 19,80 Mark.)

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