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HOHL WIE EIN WERBESLOGAN

aus DER SPIEGEL 6/1971

erscheint dem »Panorama«-Redakteur Gerhard Bott, 40, das »Schlagwort von der Emanzipation der Frau«. Denn diese soziologische Mode-Phrase, so beweist Bott in seinem Sozialreport »Der Mann muß hinaus Ins feindliche Leben« (ARD, Sonntag, 7. Februar, 21.30 Uhr, Farbe), trifft nur die Hälfte des Problems: Auch der Mann braucht Emanzipation. Er Ist der alleinige Ernährer der Familie, er ist zum Geldverdienen verdammt. Aus dieser Rolle kann er ebensowenig ausbrechen wie die Frau aus ihrer häuslichen Fron -- und dies wird ihnen mit den veralteten Erziehungsmethoden einer »brutalen Wettbewerbsgesellschaft« von klein auf eingedrillt. Der Junge darf nicht abwaschen und keine Betten machen, seine Vorbilder sind der Westernheld und der erfolgreiche Vater. Das Mädchen muß spülen, bügeln und kochen und träumt von Eheglück und Kindersegen. An dieser Teilung der Gewalten, so Bott, krankt die ganze Familie: »Die überkommenen Rollen-Klischees müssen systematisch geändert werden.« Erst wenn die Kinder in Tagesstätten und Ganztagsschulen gehen, wenn die Frau Geld verdient, wird der Mann weniger arbeiten müssen und frei für zu Hause sein. Botts Resümee: »Diese Probleme können in der bestehenden Gesellschaftsordnung nicht gelöst werden«, das vermag erst eine »sozialistische Demokratie«.

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