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Hüben und drüben

aus DER SPIEGEL 32/1996

In seiner neuen Studie vergleicht der Publizist Peter Bender, gekonnt wie stets, zwei scheinbar unvergleichbare Größen miteinander: die Entwicklung West- und Ostdeutschlands in der Zeit der Teilung bis 1989. Und siehe da - vieles scheint vergleichbar, vorausgesetzt, Werte und Ziele, Ideen und Ideologien politischer Systeme werden nicht allzuhoch veranschlagt. Das nennt man dann »historisieren«.

Rein äußerlich sind »Parallelen« (so der Titel eines früheren Bender-Buches) durchaus auszumachen, teils zwangsläufig; wir sind nun mal ein Volk. Sie zeigten sich in der künstlichen Geburt der beiden Halbstaaten, während der Besatzung, im allmählichen Bedeutungszuwachs und -wandel der Besiegten im Laufe des Kalten Krieges bis zur vorbehaltlich gewährten Souveränität und, gegen Ende, im gelegentlichen Aufbegehren der Bündnispartner gegen die jeweilige Führungsmacht.

Aber Stalin hatte schon früh befunden: »Wer immer ein Gebiet besetzt, erlegt ihm auch sein eigenes gesellschaftliches System auf ... Es kann gar nicht anders sein.« Das galt, unter umgekehrten Vorzeichen, hüben wie drüben. Doch unterschieden sich die gesellschaftlichen und politischen Systeme - wie die Art und Weise ihrer Durchsetzung - diametral voneinander.

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